Das Herz des Menschen hat viele Kammern:
Eine für die Familie, eine für die Liebe, eine für den Werdegang und eine für die Freundschaft.
Erst aber, wenn alle vier gefüllt sind, ist das Herz zufrieden.

(Chao-Hsiu Chen)

1

Simone drückte die Fahrertür seines Fiat Panda vorsichtig ins Schloss. Die Anzahl von Vorbesitzern des Wagens war ebenso unklar wie die Farbe. Es könnte blau gewesen sein. Irgendwann einmal. Simone wusste morgens nie, ob er der Wagen überhaupt anspringen würde. Abends auch nicht. Der kleine Hammer, um den Anlasser auf die Sprünge zu helfen, lag ebenso griffbereit auf dem Rücksitz wie das Starthilfekabel. Aber das war alles nicht so wichtig. Sie fuhren sowieso nur noch sehr selten irgendwo hin. Wohin auch? Restaurantbesuche waren fast unerschwinglich geworden. Die Geschäfte für den täglichen Bedarf lagen um die Ecke, schnell zu Fuß zu erreichen. Eine Bar zu aufsuchen war bei den Preisen für einen Aperitivo fast unmöglich geworden. Der Euro hatte nur kleinere Zahlen auf den Geldscheinen gebracht. Die Zahlen auf Simones Gehaltsscheck waren jedoch noch kleiner. Simone stieg aus, seufzte, ohne dass er es selbst bemerkte. Es tat immer noch weh. Der Gedanke an damals, an sein Leben, bevor es ihn nach Livorno verschlagen hatte. Aber egal. Er hasste diesen Wagen, diesen grauen Mietsblock, die kleine Wohnung in dieser Vororthölle, seinen Job im Hafen. Aber was hätte er damals machen sollen? Unbewusst schüttelte er den Kopf, er hatte keine Wahl gehabt. Ihn fröstelte und der Nieselregen hinterließ eine feine Wasserspur, die ihm im Nacken in den Kragen der Jacke lief. Mit gesenktem Kopf schlurfte er auf die Haustüre zu und fummelte den Schlüssel ins Schloss. Die Kratzspuren rund um den Schließzylinder erzählten tausend Geschichten von tausend Arbeiterfamilien. Teils stumpf, teils glänzend zeugten sie von alten und neueren Versuchen mancher Bewohner, mitten in der Nacht trotz feinmotorischer Einschränkungen möglichst leise in das Gebäude zu gelangen. Trotzdem wurde Simone manchmal nachts von den zornigen Begrüßungsworten der vom Leben und ihren Männern enttäuschten Frauen geweckt, die durch das Treppenhaus hallten. Fünf Stockwerke nach oben zu gehen ist wenigstens gesund, verhöhnte Simone sich selbst. Irgendjemand hatte im dritten Stock an die Wand ein ausgebleichtes Bild gehängt. Es schien, als wolle selbst dieses Haus ihn, Simone, den Luccaner, verhöhnen, zeigte es doch die Piazza Anfiteatro an einem Frühlingstag. Einem toskanischen Frühlingstag, keinem Tag wie heute. Seine Segelschuhe, vollkommen ungeeignet für diese Gegend, für dieses Wetter, für dieses Leben, trieften, hinterließen eine Wasserlache auf den ausgetretenen Stufen. Doch sie waren der letzte Anker, der ihn noch physisch mit Lucca verband. Wie so oft verharrte Simone auch heute vor dem Bild, versank kurz in der Vergangenheit. Er, der Sohn einer der ältesten Samtwebereien Luccas, die vier Jahrhunderte allen Widrigkeiten und den Venezianern widerstanden hatte, verstoßen von seinem Vater, seines Erbes entrissen, schlug sich als Hafenarbeiter zwischen Rost und Öl und billigem Rotwein durch. Doch was half es zu jammern, der Vergangenheit nachzutrauern? Nichts. Simone schleppte sich zu seiner Wohnung hoch. In dem Moment, in dem er den Schlüssel ins Schloss steckte, wurde die Tür von innen aufgerissen.
Blitze schienen aus ihren braunen Augen zu schießen. Die Augenbrauen hochgezogen, holte sie Luft, pumpte noch einmal Energie in die Lungen. Ein Lächeln huschte über Simones Lippen. Sie war all das wert. Ihr zuliebe hatte er dies getan. Ihr zuliebe alles aufgegeben, das Geheimnis des Samtfärbens seiner Familie an den Venezianer verraten, der dafür sie rettete.
Ist es ein Verrat, die zu retten, die man liebt?
Ist nicht jeder Preis gerechtfertigt?
Ist sein Opfer nicht gering – verglichen mit dem Leben?
Das Opfer, das ein anderer hat bringen müssen. Ein anderer Vater, eine andere Mutter? Ein jeder sorge sich um die Seinigen. Basta.
»Papa! Endlich! Wo bleibst du so lange?«
Lucca stemmte ihre kleine Faust in die Hüfte und sah ihren Vater vorwurfsvoll an. Ein Blick, den schon Chiara eingesetzt hatte, wenn Simone – damals – verspätet nach Hause kam, weil er mit seinen Freunden in einer Bar die Zeit vergessen hatte.
»Schatz. Du weißt doch, dass wir jede Überstunde brauchen.«
Die Achtjährige ließ das Argument nicht gelten: »Nenn mich nicht Schatz! Du weißt, wie wichtig es ist, dass Emilia nicht alleine ist.«
»Sie ist alleine?«
»Eigentlich nicht – aber – aber – heute halt«, druckste Lucca herum, merklich kleinlauter werdend.
»Warum ausgerechnet heute?«, fragte Simone und zog nun ebenfalls eine Augenbraue hoch.
Lucca rollte theatralisch die Augen: »Wenn sie ihren Eltern sagt, dass – dass – ach Papa.«
Simone drückte sich an seiner Tochter vorbei in den Flur der Wohnung: »Dass was?«
»Ach nichts. Ich muss jetzt auf jeden Fall zu Emilia. Ciao.«
Lucca wollte sich an ihrem Vater vorbei zwängen, doch der hielt sie am Arm fest: »Lucca Emilia Giancomelli!«
»Gott, hasse ich das, wie du meinen Namen sagst. Warum heiße ich überhaupt wie eine Stadt?«
»Lucca! Was ist mit Emilia?«
Lucca gab sich geschlagen. Sie musste antworten, sonst käme sie hier nie weg: »Emilia hat die Schulaufgabe versaut. Du kennst doch ihren Vater.«
»Was ist mit Massimo?«
Lucca verdrehte die Augen: »Wenn niemand da ist, dann macht er ihr Vorwürfe ohne Ende. Papa! Das kannst du dir nicht vorstellen. Der ist dann so was von gemein und lässt Emilia nicht mal zu Wort kommen! Kannst du dir das vorstellen? Also, aber, sobald ich dabei bin, dann lässt er sich ablen… ich meine, dann, dann – hat er mehr Verständnis.«
Simone hätte beinahe laut aufgelacht, beherrschte sich aber: »Du willst also Emilia zur Seite stehen, wenn sie Hausarrest aufgebrummt bekommt. Ist denn ihre Mutter nicht da?«
»Papa. Frau Carlone muss auch arbeiten. Sie hat Nachtschicht. Da hat Mama noch echt Glück.«
»Und du. Apropos Mama. Ist deine Mama schon da?«
»Nein. Sie hat aber angerufen. Es wird später bei ihr. Sie geht noch mit einem Bekannten essen. Sie müssten etwas Wichtiges besprechen. Keine Angst! Sie sagte, er hätte sie eingeladen. Jedenfalls steht dein Essen in der Küche. Du musst es aber wieder aufwärmen. Woher sollte ich wissen, dass du später kommst? Ich bekomme ja kein Handy von dir. Oder doch? Ich muss lo-os!«
»Also ab mit dir. Nein. Kein Handy.«
Lucca huschte zur Wohnungstür hinaus. Noch bevor sie die erste Stufe erreichte, rief Simone plötzlich: »Halt!«
»Was ist denn noch?«
»Hast du deine Medikamente genommen?«
»Papa! Schau auf die Uhr. Ich habe noch drei Stunden Zeit.«
»Sei bitte rechtzeitig da. Du weißt, wie wichtig die regelmäßige Einnahme ist.«
»Ich bin kein Baby mehr! Aber mit Handy könntest du mich anrufen, damit ich auch wirklich rechtzeitig da bin. Ich meine nur – wenn du so besorgt bist?«
»Verschwinde«, lachte Simone, »du hast eine Armbanduhr, auf die du schauen kannst.«
Simone schloss die Wohnungstür und ging in die Küche.
»Aufwärmen. Merda!«, murmelte er.
Er nahm die Plastikabdeckhaube von der Schüssel. Schon wieder. Pasta e fagioli. Die Reste vom vergangenen Tag. Simone stocherte mit einer Gabel auf den Nudeln herum. Weich. Die Bohnen traurig und der Pecorino sicher nicht aus Schafsmilch. Egal. Während der Teller in der Mikrowelle drehte, hangelte Simone sein Mobiltelefon aus der Hosentasche und wählte die Nummer seiner Frau. Sie nahm in dem Moment ab, als die Mikrowelle mit einem Bing anzeigte, dass er seinen Teller herausnehmen könnte. Simone dachte daran, dass es in ihrem Haus nicht einmal eine Mikrowelle gegeben hatte. Chiara hätte getobt, wenn er ein solches Gerät angeschleppt hätte. Damals. Fünf Jahre können eine Ewigkeit sein. Er sagte: »Hallo Schatz. – Mit wem bist du denn zum Essen aus?«
Simone stellte seinen Teller auf den kleinen Tisch mit den drei Stühlen, drückte an seinem Telefon auf die Lautsprechertaste und legt es neben dem Teller ab. Während er sich Besteck aus dem Schubkasten der Einbauküchenzeile, die zu kurz für die Wand war, nahm, sagte Chiara: »Alessandro bat mich, mit ihm Essen zu gehen.«
Simone schob den Teller weit von sich. Etwas zu forsch, der Teller kippte über den Tischrand und die Pampe verteilte sich auf dem Fußboden. Zwischen den zusammengekniffenen Lippen presste Simone heraus: »Alessandro. Alessandro also.«
»Schatz. Bitte.«
»-«
»Simone. Ich bitte dich.«
»Ach? Du meinst mich? Ich weiß ja nicht, wenn du noch so Schatz nennst.«
Chiara unterdrückte die Tränen. Wenn er wüsste, wie weh er ihr damit tat. Trotz und Wut kochten in ihr hoch und sie dachte, dass er es trotzdem sagen würde. Mühsam beherrscht sagte sie jedoch: »Du musst dir keine Sorgen machen.«
»Chiara! Ich schufte mir hier den Arsch ab und du gehst ausgerechnet mit diesem Alessandro essen.«
»Das ist nicht fair.«
»Was ist nicht fair? Dass seine Firma – dass du und … ach, es ist doch egal. Bleib nicht zu lange.«
Simone legte ohne ein weiteres Wort auf und starrte ein paar Sekunden zum Fenster hinaus, bevor er sich ein Glas Rotwein holte. Er setzte sich jedoch nicht wieder, sondern betrachtete den Nachthimmel über Livorno. Es brodelte in ihm. Alessandro! Sie hatten ihn in Lucca kennengelernt. Damals, als Simone noch mit seinem Vater die kleine, aber exklusive Samtweberei leitete. Alessandro war zu ihnen nach Lucca gekommen, um ein Angebot seines Onkels, oder besser gesagt, der Firma Mostros Tessituras, zu unterbreiten. Alessandro war ein komischer Kauz. Seltsam wie der Name der Firma, die einen an ein Monster denken ließ. Obwohl Alessandro eigentlich Interesse daran gehabt haben musste, dass es zu einer Kooperation käme, hatte er lachend gesagt, dass er an Simones Stelle das Angebot nicht annehmen würde. Ihre Firma wäre zwar kleiner, aber dafür so exklusiv, dass der Fortbestand kein Problem wäre. Lucca musste etwa drei Jahre alt gewesen sein. Ja, es war wenige Tage vor ihrem dritten Geburtstag gewesen, als er Chiara bei einem gemeinsamen Essen Alessandro vorstellte. Die beiden verstanden sich sofort. Zu schnell. Zu gut. Kurz darauf wurde die Krankheit bei Lucca festgestellt und der ganze Mist, der sie hierher in diese Miniwohnung geführt hatte, war losgegangen. Chiara wusste bis heute nicht, wer letztlich Lucca rettete und die Firma ruinierte. Alessandro? Vielleicht wusste er es, vielleicht auch nicht. Damals im Krankenhaus hatte es Wichtigeres gegeben als zu fragen, ob Alessandro wusste, was dessen Onkel getan hatte. Es spielte keine Rolle. Was hätte er, Simone, machen sollen? Alessandro niederschlagen wegen des Zwangs zum Verrat oder ihn umarmen, weil sein Oheim dafür gesorgt hatte, dass Lucca eine Chance zum Leben bekommen hatte?
»Lucca lebt«, murmelte Simone und nahm einen Schluck vom Wein. Restbestände. Mit seinem Einkommen konnte er sich solchen Wein nur zu besonderen Gelegenheiten leisten. Alessandro. Er spürte die Wut aufkommen. Ein netter Kerl eigentlich, dieser Alessandro. Ganz okay. Aber zwischen Chiara und ihm hatte es von Anfang diese Verbundenheit gegeben, die ihm nicht gefiel. Simone vertraute Chiara. Sie würde ihn nie verlassen. Aber warum muss sie sich unbedingt immer wieder mit ihm treffen? Über was reden sie? Bin ich ihr nicht genug? Soll ich ihr doch sagen, dass es Alessandros Onkel war, der sie hierher gebracht hatte? Weiß sie es? Wenn eine Frage zu ungewollten Antworten führen kann, sollte man sie nicht stellen.
Der nächste Schluck Rotwein war schon größer. Irgendwann werden die beiden … Nein, werden sie nicht. Bevor sich Simone weiter in seine Wut und Eifersucht steigern konnte, klingelte sein Handy.
Die angezeigte Nummer kannte Simone nicht: »Pronto?«
Als der Anrufer seinen Namen nannte, setzte sich Simone. Die Stimme hatte Simone seit fünf Jahren nicht mehr gehört. Den Mann nicht mehr getroffen, seit dieser ihn mit den Worten »Du bist nicht mehr mein Sohn!« aus dem Haus, aus der Firma, aus seinem Leben gejagt hatte. Und mit ihm Chiara und die kleine Lucca, die lange nicht hatte akzeptieren wollen, dass sie ihren Opa nicht mehr sehen wird.
Carlos Giancomelli.
»Was willst du?«, presste Simone durch die angespannten Lippen. Seine Hand zitterte.
Carlos Stimme klang müde und traurig: »Mein Sohn.«
Simone höhnte: »Du nennst mich deinen Sohn?«
»Bitte, Simone. Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht.«
»Ach?«
»Ich weiß jetzt, dass du damals keine andere Wahl hattest. Warum hast du nicht mit mir geredet?«
»Hättest du es etwa geschafft, dass Lucca so schnell operiert wird? Ich höre noch deine Worte ‚Beten wir, dass sie so lange überlegt, bis sie auf der Liste oben steht und dann ein Spender gefunden wird.‘ Warum hätte ich also mit dir reden sollen?«
»Simone. Ich habe hier Dokumente in der Hand, mit denen wir unser Eigentum zurückholen können.«
»Unser Eigentum? Unser Eigentum? Mach dich nicht lächerlich. Erstens hast du mich wie einen räudigen Hund davongejagt. Und zweitens könnten wir nie die Kunden zurückholen. Mostros beliefert sie billiger als wir es je könnten.«
»Simone, die Dokumente bringen Mostros hinter Gitter. Dann geht seine Firma den Bach runter, so wie damals unsere Firma. Dann sind wir wieder die einzige Firma, die diesen Sammet liefern kann.«
»Unsere Firma? Es ist nicht mehr meine Firma, erinnerst du dich?«
»Simone. Bitte komm zu mir, damit ich dir die Unterlagen zeigen kann.«
»Vergiss es, Carlos. Ich betrete DEIN Haus nie mehr.«
Simones Vater gab nicht auf: »Dann treffen wir uns irgendwo in Lucca. Ich komme ja hier ohne Auto nicht weg.«
»Col cazzo!«, schäumte Simone.
Carlos Stimme blieb sanft: »Bitte Simone. Gib mir nur diese eine Chance. Sieh dir die Unterlagen an und entscheide dann. Wenn du mich dann nie mehr sehen willst, akzeptiere ich dies und werde dich nie mehr belästigen.«
»Und wo?«
Carlos schnaufte hörbar aus, bevor er sagte: »Die Piazza Anfiteatro. Ich gehe in einer halben Stunde dorthin und spiele – wie jeden Abend – ein paar Minuten mit meinem Hund. So, wie ich früher mit dir dort spielte, als du noch ein Junge warst.«
»Hund? Du hast einen Hund?«
»Ich war alleine.«
»Da warst du selbst daran schuld.«
»Kommst du?«
»Was soll es bringen?«
»Mir die Genugtuung, dir die Firma zurück, Mostros seine gerechte Strafe.«
»Ich denke darüber nach.«
»Ich werde warten.«
Simone starrte erneut zum Fenster hinaus. Nicht, weil der Ausblick so schön war. Zu Beginn, als sie hier eingezogen waren, sagte er einmal zu Chiara: »Wenn ich schon nicht mehr in Lucca lebe, so will ich wenigstens in die Richtung schauen und mich an die Zeiten dort erinnern.«
Chiara hatte ihn damals gefragt, ob er es bedauere, das Geld aus der Firma genommen zu haben, um ihre Tochter Lucca zu retten. Ob er es bedaure, dass die Firma deshalb zugrunde gegangen war und sein Vater ihn verstoßen hatte. Sie sei dankbar, dass Alessandros Onkel ihnen wenigstens die Schulden abgenommen hatte, auch wenn er dafür nun den Giancomelli-Sammet fabrizierte.
Simone hatte ihr nicht sagen können, wie es wirklich gewesen war. Dass Alessandros Onkel die Chance von Luccas Erkrankung genutzt hatte, ihn zu erpressen. Zu groß die Schmach, dass er einem Venezianer sein Erbe verraten hatte. Zu groß die Angst davor, Chiara zur Sorge um die Tochter noch die Qual, vom Freund verraten worden zu sein, aufzubürden. Denn Alessandro musste davon gewusst haben. Simone hatte ihn nie darauf angesprochen. Wozu auch?
Simone hatte seiner Frau damals nur geantwortet, dass er es jederzeit wieder tun würde. Damit Lucca leben kann und dass er nur bedauern würde, keine andere Wahl gehabt zu haben.
Vielleicht gab es wirklich eine Chance. Vielleicht gab es doch ein zurück in seine Heimatstadt. Ein Traum. Am Abend die Weberei abschließen, in Jeans, Segelschuhen und Polohemd zu Alfredos Bar laufen und den Tag mit den alten Freunden beschließen.
Simone gab sich einen Ruck. Vielleicht verschwand dann auch dieser Alessandro. Dessen Onkel hatte damals ein Haus in Lucca gekauft. Wenn Carlos recht hatte, dann würde Alessandro aus der Gegend verschwinden müssen. Venezianer waren nicht sehr beliebt hier. Venezianer, die Luccaner um ihr Vermögen gebracht haben, müssen Angst haben.
»Es ist einen Versuch wert«, murmelte Simone.
Einen kurzen Moment lang dachte er daran, für Chiara eine Notiz zu hinterlassen. Doch dann schoss ihm ihr romantisches Beisammensein mit Alessandro in den Kopf. Die beiden amüsieren sich, während er hier Aufgewärmtes essen soll. Er kehrte die Essensreste und den Teller auf und kippte alles in den Müll.

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