Prolog

»Linda!«
Der Mantel folgte ihrer Handtasche, die über Holzdielen schlitterte und sich an das bunt lackierte Tischbein schmiegte. Lindas Augen flackerten im Schein der nackt an der Decke hängenden Glühbirne. Kaum anzunehmen, dass sie ihre Schwester wahrnahm.
Den Song, der durch die kleine Wohnung hallte, erkannte Nedo als den Song Cynthia von der CD Lovetune for Vacuum, die Linda ihr bei ihrem letzten Besuch in Graz abgeluchst hatte.
Nedo kniete neben dem Bett nieder, tupfte den Schweiß von der Stirn ihrer Schwester.

1

Die Woche begann nach meinem Geschmack:
Kaum zwei Stunden war ich im Dienst, da alarmierte die Leitstelle alle freien Kräfte, um bei einem Verkehrsunfall anzupacken.
Ein vollbesetzter Reisebus war von einer Brücke gestürzt und hatte sich in seine Bestandteile aufgelöst. Den 60 Insassen bekam die Landung größtenteils nicht besonders gut. Verständlicherweise, wenn man bedenkt, dass sich der Bus beim Abheben von der Fahrbahn auf einer Reiseflughöhe von 45 Metern über Grund befand. Allerdings hielt er sie nicht lange. Nach etwa drei bis vier Sekunden war der Flugspass vorbei. Der Bus bohrte sich mit bedenklichen 100 km/h in den Asphalt der Straße unter der Brücke. Mein Chef war so verwirrt, dass er mir einen jungen Brandinspektor zur Seite stellte.
»Leiten Sie ihn an«, lautete sein Auftrag an mich
Der Bub kam frisch vom B-IV-Lehrgang.
Egal, wir stapften durch das Trümmerfeld auf der Suche nach Überlebenden. Der Typ regte mich echt auf.
Er konnte seine Klappe nicht halten, lamentierte ohne Unterbrechung: »Oh Gott, schauen Sie nur, da liegt ein Bein, zehn Meter vom Rumpf entfernt.«
»Mhm.«
»Fogos! Der Aufprall muss unglaublich gewesen sein. Die Insassen, das ist, das ist …«
»Mhm«
Er blieb stehen: »Wie können Sie nur so kaltblütig sein. Geht Ihnen das Schicksal dieser Menschen nicht an die Nieren?«
Ich ging weiter und hielt die Augen auf. Etwa zwanzig Meter von uns entfernt saß ein Mann auf der Straße, blickte starr auf den Boden.
»Kommen Sie mit«, sagte ich.
Zum Glück drehte ich mich zu der zukünftigen Führungskraft um, der mir nachstolperte und rief: »Passen Sie auf, wohin Sie treten!«
Der Vollhirni wäre schier auf eine Hand getreten, die unter einem Busch hervorragte.
Kreidebleich stand er neben mir, als ich in die Hocke ging, um mir den jungen Mann anzusehen, der da stumm der Dinge harrte.
Auf seinem weißen Hemd war die Sauerei nicht zu übersehen. Unter seiner linken Hand, die auf seinem Bauch lag, floss die Soße heraus.
Ein paar Meter hinter ihm sahen sich zwei Rettungsassistenten suchend um.
Ich befahl meinem Begleiter: »Los! Holen Sie die weißen Prüfröhrchen her!«
»Wen soll ich holen?«
Ich richtete mich kopfschüttelnd auf und rief in Richtung der Rettungsdienstler: »Hierher! Akutes Abdomen, offene Wunde.«
Nachdem der Patient versorgt und auf dem Weg in die Klinik war, wandte ich mich dem Inspektorchen zu: »Deshalb bin ich kaltblütig, Sie Möchtegernretter. Hätte ich mich von Ihrem Gejammer anstecken lassen, wäre jetzt einer mehr tot.«
Ein paar Stunden später, ich war erst wenige Minuten in der Werkstatt, hallte der Schrei des Alten durch die Gänge: »Foooooogoooooos!«
Diese fiese kleine Ratte von Brandinspektor in Lauerstellung hatte beim Abteilungsleiter geheult. Was kann ich dazu, das er es nicht lustig fand, herauszufinden, dass es auf den HLFs keine fünfstufige Schutzleiter gibt? Aber irgendwie musste ich ihn ja los werden, oder?
»Spaßfreie Akademiker«, murmelte ich, da kam der Alte zur Tür herein.
»Fogos!«, kam er sofort zur Sache, »Sie haben die Wahl: Einen Eintrag in die Personalakte oder sie bieten sich freiwillig an, nach Dienstschluss die Tische und Stühle für meine Feier aufzubauen.«
Und weg war der Arsch. Er wusste genau, dass ich keine Wahl hatte. Meine Einträge reichen immer noch für mindestens drei Kollegen.
»Grins nicht so blöd«, fuhr ich Franz an, der schweigend einen Schlauch einband.
Der Schraubendreher, den ich – aus reinem Reflex natürlich – in seine Richtung schleuderte, steckte nun tief in der Wandverkleidung. Nur zehn Zentimeter von Franz Kopf entfernt ragte er aus der Gipskartonplatte. Manchmal vergesse ich, dass ich nicht sehe, was links neben mir ist.
Franz zog das Werkzeug kopfschüttelnd aus der Wand: »Arschloch. Meinst du, mir gefällt das? Irgendwann bringst du mich mit deinem angeschliffenem Schraubendreher um.«
»Wir sollen die Werkstatt zum Partyraum umgestalten, damit der Alte mit der Prominenz feiern kann? Wetten, wir müssen entweder seine Lakaien spielen oder in der Kanalisation verschwinden.«
»Wir? Er sprach nur von dir.«
»Komm schon. Lass mich nicht hängen. Das schaffe ich nicht allein.«
Franz blickte über mich hinweg.
Noch während ich mich auf dem Drehhocker umwandte, hörte ich die sanfte Stimme meines Chefs, der nur darauf gewartet hatte, wieder hereinzukommen: »Ich bat darum, den Raum für einen Umtrunk mit meinen Gästen vorzubereiten, Herr Fogos. Keine Angst, Sie müssen meine Besucher nicht bedienen und keinesfalls möchte ich den Ratten in der Kanalisation Ihren Anblick zumuten. Natürlich hilft Ihnen Ihr Kollege. Ich gehe davon aus, dass auch er an dem kleinen Spaß beteiligt war.«
Der Alte hatte echt Talent. Franz Blicke spießten mich auf.
Jetzt war es sowieso egal: »Wieso feiern Sie nicht in einem der Nobelschuppen, wie es sich für den höheren Dienst gehört?«
Mit weit ausladenden Gesten präsentierte ich ihm unsere Werkstatt: »Dreißig Jahre alte Werkbänke. Die Ständerbohrmaschine ist von 1961 und das Werkzeug wurde in der freien Wirtschaft vor zehn Jahren entsorgt.«
Noch bevor ich meine Runde vollendet hatte, schnaubte der Alte: »Das weiß ich auch. Aber wo ich mit meinen Gästen feiere, dürfte kaum in Ihrem Entscheidungs- oder gar Beurteilungsrahmen liegen. Räumen Sie heute Nachmittag hier auf und stellen Sie die Tische, die der Catering-Service bringt. Morgen müssen Sie nicht hierher kommen.«
Franz Mundwinkel zogen sich von Ohrläppchen zu Ohrläppchen.
Ich kannte den Alten gut genug, um Franz Freude über einen möglichen freien Tag nicht zu teilen und stellte fest: »Franz, er sagte nicht, wir könnten zu Hause bleiben! Er sagte nur, wir müssten nicht hierher kommen.«
Franz sank schlagartig auf seinen Stuhl. Der Alte strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Es fehlte nur noch der Klaps auf meine Schulter, als er sagte: »Schön, dass wenigstens einer hier im Haus mir zuhört.«
Der Branddirektor öffnete die Tür zum Flur einen Spalt, huschte hinaus. Bevor er die Türe schloss, streckte er seinen Kopf herein und sagte sanft: »Sie dürfen beide den morgigen Tag auf Wache drei verbringen. Ein bisschen echte Feuerwehrluft schnuppern.«
»Und was sollen wir dort? Der Lahme unterstützt die Höhenretter und der Halbblinde fährt die Drehleiter. Wird die volle Gaudi. Fragt sich nur, für wen?«
Franz flüsterte: »Fogos, bitte.«
Schade, dass mein geschärfter Schraubendreher zwischen Franz Fingern kreiste. Ich drehte unserem Chef den Rücken zu und meinte: »Franz! Was soll passieren? Tiefer runter geht es nicht mehr. Wir sind Beamte. Rausschmeißen kann er uns nicht und ein paar Idioten in der Werkstatt braucht er.«
»Wenn Sie sich als Idiot bezeichnen, ist das Ihr Problem«, höhnte der Alte, »doch ich lege Wert darauf, dass Sie hier Ihren Dienst leisten.«
»Blah-blah-blah. Was ist jetzt mit Wache drei?«
Unser Chef hielt es für besser, sprungbereit zu bleiben: »Urlaub, Krankenstand. Die sind so eng mit Personal, dass sie ihre Messgeräte für die Kalibrierung nicht hierher bringen können. Sie müssen es vor Ort machen.«
Franz, der die Kalibrierung normalerweise allein macht, fragte: »Beide? Wir sollen zu zweit auf die Drei, um ein paar Messgeräte zu checken?«
Der Alte wechselte das Thema: »Die Tische werden in einer halben Stunde gebracht.«
Er zog seinen Kopf ein Stückchen weiter zurück: »Eine Kleinigkeit noch. Waschen Sie sich bitte die Hände, bevor sie die Tischdecken anfassen.«
Innerhalb einer Sekunde geschahen zwei Dinge, die ich nie für möglich gehalten hätte.
Erstens: Der Alte konnte sich schnell bewegen. Sein Kopf verschwand und die Tür krachte ins Schloss.
Zweitens: Franz warf den von mir eigenhändig in stundenlanger Arbeit geschliffenen Schraubendreher. Mit einem leisen Zirpen schlug er in das Türblatt ein und der rote Griff wippte ein paar Sekunden, bevor er beinahe stolz in den Raum ragte.
»Guter Wurf«, lobte ich Franz, »es stimmt schon, seit sie uns farbige Werkzeuge geben, geht es hier viel lockerer zu.«
Die Arbeitstische hatten wir in wenigen Minuten an die Wände geruckt und mit Planen abgedeckt. Franz stellte den Besen in den Wandschrank, der nicht viel jünger als die Ständerbohrmaschine war, da kam der Catering-Service.
Ein Lackaffe, dem zwei feixenden Studenten am Kittel hingen, die er als seine Servicepraktikanten vorstellte.
Seinem Gesicht war anzusehen, dass es unter seiner Würde war, in einer Werkstatt seine Tische aufbauen zu müssen.
Er schnaubte: »Mon Dieu! Dieser Geruch hier! Widerlich!«
Sein Jackett hängte er an den in der Tür steckenden Schraubendreher und meinte: »Hach, ein kleiner Lichtblick. Wer ist der Designer dieses anmutigen Kleiderhakens?«
»Franz Franzens«, behauptete ich.
»Kenne ich nicht«, stellte der Schnösel fest, »ich werde mich erkundigen.«
Mit einem Fingerschnippen wies er seine Lakaien an, die Tische hereinzutragen. Auf unsere Dienste verzichtete er, nachdem Franz und ich ihm unsere Hände zeigten.
Ich war schon immer der Meinung, dass eine Büchse Schmierfett und eine Dose Graphit in keiner Werkstatt fehlen dürfen.
Wir beobachteten aus sicherer Entfernung, wie aus dem Arbeitsraum ein Salon wurde. Nicht, ohne zu befürchten, dass wir den Mist wieder abbauen müssten.
Da ich darauf absolut keine Lust hatte, fragte ich scheinheilig: »Diese Tische und das Dekorationszeug sind bestimmt teuer, oder?«
Der Schnösel blickte mich über den Rand seiner Lesebrille an und meinte: »Teuer! Tss. Wertvoll!«
Unschuldig behauptete ich: »Sie wünschen sicher nicht, dass unqualifiziertes Personal beim Abbau möglicherweise aus Versehen etwas beschädigt.«
»Durchaus, durchaus. Der wirtschaftliche Verlust wäre immens.«
Ich grinste: »Dann sind unsere Dienste mit Sicherheit eine erhebliche Gefahr. Mein Kollege und ich werden Ihnen auch morgen nicht im Weg stehen. Franz, gehst Du mit?«
Noch bevor der Schnösel reagieren konnte, verschwanden Franz und ich blitzartig aus der Werkstatt. Eine Feuerwache hat viele Ecken, in denen man sich verstecken kann.

2

Nedo nahm Lindas Kopf in beide Hände. Sie drehte das Gesicht ihrer Schwester zu sich. Die trockenen Lippen lechzten nach Wasser, doch der Becher lag am Boden neben dem Telefonhörer. Linda war bewusstlos geworden und lag seit Nedos Anruf hilflos in ihrem Bett, unfähig sich zu rühren.
Mit einem Stöhnen erkannte Lindas Körper, dass die Zungenspitze einen sinnlosen Versuch unternahm, die Lippen zu befeuchten. Ihre Augen rollten unkontrolliert unter den geschlossenen Lidern.
Nedo ging in die Küche, überwand den Würgereflex beim Anblick der Teller in der Spüle und öffnete den Wasserhahn. Langsam wich der Gestank, der aus dem Abfluss hochstieg. Im Schrank fand sie noch saubere Gläser, füllte eines mit Leitungswasser.
Zurück bei Linda, versuchte Nedo ihre Schwester im Bett aufzurichten. Mit einer Hand presste Nedo die schwitzende Linda an die Wand. Vorsichtig hielt sie ihr den Becher an den Mund.
»Trink, Schwesterchen, trink.«
Ein kleiner Schluck.
Kraftloses Keuchen.
Linda öffnete flackernd die Augen und flüsterte: »Nedo?«
»Ja Süße. Ich bin hier. Jetzt trink.«
Ein Tropfen nur, bevor Linda nach Luft rang. Schließlich ein kleiner Schluck, gefolgt von bodenloser Erschöpfung.
Nedo ging ins Badezimmer. Irgendein Tuch. In der Badewanne türmte sich die Wäsche, der Hochschrank war leer. An der Garderobe im Flur das einzig verwendbare Kleidungsstück: ein Wollschal. Zumindest ließen sich Lindas schweißnasse Haare damit abtrocknen.
Sanft wischte Nedo mit der anderen Schalhälfte über Lindas Gesicht.
Ihre jüngere Schwester versuchte ein Lächeln. Ein krampfartiges Zucken verzerrte es zu einer Fratze des Entzugs.
»Es stimmt also, sie haben Jamel hochgenommen. Wie lange schon?«
Linda war zu schwach für vollständige Sätze: »Drei Tage … bitte … gib mir …«
Nedo, die mittlerweile auf dem Bettrand saß, griff in ihre Handtasche. Eine schmucklose Pillendose. An ihrer Schule dachten Nedos Kollegen, es wären Tabletten gegen eine Allergie. Irgendwann würden sie ihr das nicht mehr glauben. Vor allem, da sie nie spezifizierte, was für eine Allergie sie hätte. Doch bis dahin wollten Nedo und Linda wieder clean sein. Bestimmt. Sicher. Kein Problem.
Vier Pillen lagen noch in der Dose.
»Scheiße«, murmelte Nedo, »wenn kein neuer Lieferant kommt, liege ich auch bald so da.«

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Wenn die Buchstaben unscharf werden: Was Sie über Lesebrillen wissen sollten

Irgendwann im Laufe des Lebens trifft es jeden. Zuerst beginnt es mit dem Kleingedruckten, schließlich bereiten auch das Zeitungslesen oder Schreibarbeiten Probleme und manche Feinarbeiten können nur noch unter Schwierigkeiten oder mit Lupe durchgeführt werden. Das Sehvermögen im Nahbereich lässt nach. Abhilfe schafft hier eine geeignete Lesebrille.

Billiglesebrillen – keine Lösung auf Dauer

Wenn die ersten Symptome der Altersweitsichtigkeit sich bemerkbar machen, greifen viele als Erstes zu einer Billiglesebrille mit einer festen Dioptrienzahl bei beiden Gläsern, wie sie heutzutage u. a. in Drogeriemärkten angeboten werden. Falls die Nahsehschwäche noch nicht allzu ausgeprägt ist und sich nur in bestimmten Situationen, wie beim Lesen der Zutatenliste, bemerkbar macht, mag dieses Hilfsmittel über einen gewissen Zeitraum vertretbar sein. Eine Dauerlösung ist es allerdings nicht, denn die Augen müssen sich trotz der vermeintlichen Verbesserung den starren Gegebenheiten der günstigen Lesehilfe anpassen und werden mit der Zeit dadurch nicht besser.

Eine Lesebrille vom Fachmann für optimale Sicht in jeder Situation

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen nicht nur unter Weitsichtigkeit leiden. In der Regel liegen mehrere Sehschwächen gleichzeitig vor, die zudem je Auge unterschiedlich stark ausfallen können. So kann jemand mit Altersweitsichtigkeit aufgrund einer Hornhautverkrümmung durchaus auch unter einer leichten Kurzsichtigkeit leiden. Gläser vom Optiker berücksichtigen all diese zusätzlichen Faktoren. Die Lösung liegt hier in einer speziell auf das Auge angepassten Mehrstärken- oder Gleitsichtbrille, die alle vorhandenen Sehschwächen ausgleicht und so ein gleichermaßen gutes Sehen im Nah- und Fernbereich ermöglicht. Gleitsichtgläser bieten überdies den Komfort einer stufenlosen Korrektur zwischen den einzelnen Sehbereichen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Abstimmung auf bestimmte Tätigkeiten wie Bildschirmarbeit oder Autofahren.

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