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Die Entführung
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Wissen LKW-Fahrer wie breit ein LKW ist? Wissen PKW-Fahrer, wie das Wetter die Straße verändert? Scheinbar nicht, verf***t!

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Das Wochenjournal der 50. Kalenderwoche

Montag

Aus Büro 3 kommen, essen, in die Uniform schwingen, eine Versammlung am Nachmittag besuchen.  Kaum am Schreibtisch a bisserl was gemacht, da kommt die Alarmierung. Verkehrsunfall.

Die gute Nachricht zuerst: Zum Glück ist niemand schwer verletzt.

Die Ursache wird im Polizeibericht vermutlich „nicht angepasste Geschwindigkeit“ heißen.

Die realen Fakten sind einfach: enge, kurvenreiche Straße. Leichter Regen. Herbstliches Wetter. Heck bricht in Kurve aus. Blöd nur, dass Gegenverkehr keine Chance mehr hat.

Sei bitte so gut – wo 100 km/h nicht auf weniger reduziert sind, bedeutet das noch lange nicht, dass 100 km/h langsam genug ist. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung bedeutet schlicht, du darfst bei guten Bedingungen so schnell fahren. Bei schlechten Bedingungen darfst und musst du jedoch langsamer sein.

Kurz: Es heißt „Maximalgeschwindigkeit“ – nicht „Minimalgeschwindigkeit“

Hirn einschalten ist erlaubt. Auch beim Auto fahren.

Dienstag

Nichts. Einfach nichts. Kein Wahnsinn. Ich bekomme Angst.


Mittwoch

Das war es dann – Büro 3 sieht mich in diesem Jahr nicht mehr. Bleiben noch Büro 2 und Büro 1. Mal schauen. Büro 2 werde ich noch ein- oder zweimal aufsuchen. Büro 1, wenn mir langweilig wird und mir die noch zu schreibenden Buchseiten in den Kopf kommen. Kein Zeitdruck, keine Hektik.

Du weißt schon – Mittwoch ist Sado-Linda-Tag 🙂 Ja, die Frau versteht es, mich in die Schockstarre zu versetzen und dann noch zu sagen „weiter!“, weil ihr 10 Sekunden liegen lange genug ist.

Ich hätte aber auch einfach nur panisch reagieren können, als sie schrie: „Steh auf! Schnell!“

Frauen machen ja oft so eine Hektik, wo du noch fünf Sekunden Zeit oder drei Millimeter Platz hast. Von Panik also genauso wenig eine Spur wie von Schnelligkeit. Die Strafe kam dafür umso schneller:

Ich fühlte mich die darauffolgenden zwanzig Sekunden wie eine schockgefrostete Artischocke und Sado-Linda kommentierte nur :“ Jetzt musst du warten.“

Mitgefühl ist eine echt tolle Sache. Wir üben das bei Gelegenheit mal, okay?

Lesson learnt: Wenn sie wieder einmal ruft „Schnell!“, werde ich SEHR SCHNELL!


Donnerstag

Die Leitstelle war sieben Minuten früher dran als mein Wecker. Ein Verkehrsunfall auf der Autobahn. Soweit so schlecht.

Allerdings erlebten wir wiedermal ein Standkonzert der unterschiedlichen Martinhörner-Nuancen. Stand-Konzert. In der Gasse. Der nicht vorhandenen.

Ursache waren wieder einmal die Lastkraftwagen. Die Pkw auf der linken der drei Spuren standen schön an der Seite.

Stehen aber zwei LKW nebeneinander – dann wird es verf***t eng! Zu eng für das Großfahrzeug vor mir, den weiteren Großfahrzeugen und den Rettungswagen – und die wurden vorne für die Verletzten gebraucht. Dringender noch als die Feuerwehr diesesmal.

Rangieren des Großfahrzeugs und weiterer Fahrzeuge im Stau. Toll. Nicht. Schließlich bekommen wir die Rettungswagen durch und endlich können auch die Großfahrzeuge langsam weiter. Eine fahrbare Schlauchhaspel wird die ca. drei Kilometer bis zur Einsatzstelle zur Fuß geschoben.

Liebe LKW-Fahrer. Ich verstehe, dass ihr echt einen Scheißjob habt mit eurem Termindruck, den fehlenden Rastplätzen und der Gesamtsituation des Lagers Autobahn, weil die Firmen just-in-time keine Lagerplätze mehr haben und die Autobahn als Lager missbrauchen. Dafür könnt ihr nichts, seid nur die Leidtragenden.

Aber – wenn es sich schon staut. Im Radio kommt schon ein paar Minuten vor der Alarmierung der Feuerwehren die Meldung, dass auf der Strecke vor euch ein Fahrzeug auf der linken Spur liegengeblieben ist. Warum?

Warum überholt ihr dann noch eure LKW-Kollegen?

Wo ist der Sinn und Nutzen, dass ihr den LKW vor euch noch überholt, nur um dann direkt neben ihm zu stehen?

Wo ist der Sinn, dass rechts neben euch, auf der rechten Spur stehend, der Standstreifen frei ist? Ihr müsstet nur a bisserl nach rechts ziehen und schon wäre ein Meter mehr Platz links neben euch.

Was glaubt ihr wohl, warum die Rettungsgasse propagiert wird? Weil die Feuerwehren und Rettungsdienste die nutzen. Genauso wie der Abschleppdienst. Weil sie der geradlinige und kürzeste Weg zur Unfallstelle ist. Weil wir da nicht hin und her hüpfen müssen, was verf***t viel Zeit kostet. Und weil der Verkehr viel schneller wieder läuft, wenn auch die, die aufräumen durchkommen.

Und nein, wir nutzen nicht den Standstreifen. Das wäre bescheuert. Wie sollten wir, wenn der Standstreifen aus welchen Gründen auch immer blockiert sein sollte, wieder zurück auf die Fahrspuren kommen, wenn dort auf dem rechten Fahrstreifen Auto an Auto, Lkw an LKW steht?

Und was ich überhaupt nicht verstehe und mir die Hutschnur hochgeht:

Gerade ihr LKW-Fahrer solltet wissen, welchen Platzbedarf ein LKW hat. Wenn ich von Großfahrzeugen rede, die wir vorne brauchen, weil darauf unsere Ausrüstung verlastet ist, dann rede ich auch von Lastkraftwagen. Egal ob dein Laster oder die der Feuerwehr – der Platzbedarf ist derselbe. 2,55 m Breite sind nun mal 2,55 m Breite und werden nicht weniger, nur weil das Blaulicht angeschaltet ist. Bei 3 m Breite der Rettungsgasse bleiben links und rechts gerade mal 22,5 Zentimeter.

Heute war zwischendrin, vor dem Rangieren, nicht einmal 2,031 m Platz. Das ist nämlich die Breite meines Kommandowagens mit Außenspiegel. Wenn der nicht durchpasst, wie soll dann ein Großfahrzeug oder ein Rettungswagen durchkommen?

Wenn du einer der LKW-Fahrer bist, die im Stau den Lkw vor sich überholen und sich neben den LKW des Kollegen stellen – dann denk daran: Wenn es richtig kacke läuft für dich, dann brauchst irgendwann Du unsere Hilfe. Keiner will das, aber eine Garantie gibt es halt leider nicht.

Doch wir kommen nicht. Es dauert und dauert. Du stirbst vielleicht nur deshalb: einer deiner Kollegen hat genau das gemacht, was du auch immer im Stau machst: Die Rettungsgasse dicht.

Einige Stunden später bin ich raus aus dem Geschäft und 250 km entfernt. Pünktlich zur Besprechung angekommen, finden wir uns vier Stunden später beim Arbeitsessen. Mitten im deutschen Nirgendwo ein Italiener, der tatsächlich dem Essen den italienischen Stellenwert einräumt. Ein Genuss.


Freitag

20 Minuten mit der S-Bahn nach Heidelberg. Nach sieben Jahren wieder einmal auf den Weihnachtsmarkt. Die Erinnerung wird zerhackt, gevierteilt und im Industrieglühwein ersäuft. Schade. Du bist auch nicht mehr das, was du mal warst, Weihnachtsmarkt Heidelberg.

Dafür bekommen wir eine kleine Ausschreitung geboten. Müssen zwar nicht eingreifen, aber trotzdem eine zweifelhafte Show.


Samstag

Wir versacken auf dem Dorfweihnachtsmarkt, nach Heidelberg zu fahren, stand uns nicht mehr im Sinn. An die Art der Bratwürste in diesem Bundesland werde ich mich zwar nie gewöhnen – der Glühwein ist jedoch handmade von Muttern und kommt nicht aus dem Automaten. Es läuft! Gefühlt drängt sich das ganze Dorf dort. Und weit und breit niemand, der etwas anderes sieht als einen Typen mit nem anderen Typen und zwei Frauen, denen es Spaß macht. Und natürlich das ein oder andere interessante Gespräch. 🙂


Sonntag

Seit gestern Abend ist die A6 Richtung Nürnberg gesperrt. So das Schild. Das zweite. Das erste war ein bisschen unklarer mit den Hinweisen ab wann und bis wann.

Kurz nachdenken – die Sperrung Richtung Nürnberg juckt nicht. Wir wollen ja nicht Richtung Nürnberg, sondern rüber auf die A81.

Sonst würden die ja auf die Schilder nicht nur schreiben, dass man nicht nach Nürnberg kommt. Dachte ich.

Warum kann man nicht schreiben, dass die A6 ab Ausfahrt XX bis Ausfahrt YY voll gesperrt ist und man somit nicht nur nicht nach Nürnberg, sondern auch nicht nach Stuttgart und Würzburg kommt? Also nirgendwo hin.

Mein Sofa musste eine geschlagene Stunde länger auf mich warten. Ich hoffe, es ist jetzt nicht traumatisiert!


Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.


… hey, ich danke dir herzlich fürs Lesen des Tageswahnsinns. Ich freue mich wahnsinning, wenn du hier unten die Buttons nutzt, um auch deine Freunde auf den Tageswahnsinn aufmerksam zu machen. Vielen Dank dafür. 😊

Markus Ungerer
Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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