Die Entführung

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Wissen LKW-Fahrer wie breit ein LKW ist? Wissen PKW-Fahrer, wie das Wetter die Straße verändert? Scheinbar nicht, verf***t!
17. Dezember 2018
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Keine ruhige Zeit in der staden Zeit – nur weniger lustig.
24. Dezember 2018

Die Entführung

Ein kurzer Krimi.

„Last Christmas, I gave you…“ – weiter kam George Michael an diesem viel zu warmen 21. Dezember nicht. Anna Spleis, die sonst nicht einmal ein Scheunentor traf, hatte die Spitze des Schneidteufels, mit dem sie einen Apfel traktierte, aus zwei Meter Entfernung mit einem fast elegantenWurf aus dem Handgelenk genau dort platziert, wo es für sofortiges verstummendes Radios sorgte.

„Ich kann diesen Scheiß nicht mehr hören“, plärrte Anna. Rumpelstilzchen wäre neidisch geworden ob ihres Aufstampfens.

Das Klingeln ihres Handys unterbrach den Wutanfall. Ohne sich zu melden, schrie sie sofort nach dem Abheben: „Hast du ihn erwischt? Ich hoffe es für dich, sonst bist du dran! Einsperren. Dich hat niemand gesehen? Wir sind so was von fällig, wenn das jemand mitbekommen hat.“

An diesem Morgen kam alles zusammen. Der Blick auf die Wanduhr machte es nicht besser. In zehn Minuten musste sie ihren Sohn bei ihren Eltern abholen und zu ihrer Schwägerin fahren. Dafür reichte die Mittagspause normalerweise.

 „Verflixter Mist.“ Alleine für die Fahrt dorthinbrauchte sie mindestens 15 Minuten. Jacke, Schuhe, Schlüssel, Hut – alles zusammenklauben und nichts wie weg.

 Sie riss die Bürotür auf, stürmte hinaus und wärebeinahe mit Tanja zusammengestoßen, die im Flur stand.

Anna rollte die Augen und blaffte: „Was ist?“

Tanjas Stimme zitterte etwas: „Wen lässt du einsperren?“

Anna betrat den Aufzug, der mit offener Tür scheinbar auf sie gewartet hatte. Sie antwortete, während sich die Fahrstuhltür schloss.

Tanja hörte: „Martin Ga…“ und vervollständigte: „Gantner. Martin Gantner.“

Tanja rannte in ihr Büro, fiel auf den Stuhl nieder und schlug die Hände vors Gesicht, flüsterte: „Mein Gott! Ich wusste, es nimmt ein schlimmes Ende.“

Sie griff zum Hörer und wählte 110.

*

Sebastian hatte seinen Arm eng um den Hals seines Opfers gelegt: „Es hat doch keinen Sinn! Du hast keine Chance. Rein jetzt!“

 Sein Opfer wehrte sich so gut, wie es konnte.Strampelte. Nichts sehen zu können, verstärkte die Panik. Sebastian schleppte es unerbittlich auf den Schuppen zu. Mit dem Fuß schob er die vergraute, knarzende, krumm zusammengenagelte Holztür auf.

Der Schuppen war ideal für ihre Zwecke. Anna hatte ihn gefunden. Tief in diesem Waldstück. Zufällig war sie darauf gestoßen, bei ihren ausgedehnten Streifzügen, um Abstand von den Gedanken an Martin zubekommen.

Fünf Jahre waren sie zusammen gewesen. Fünf Jahre, die im Rückblick in Annas Gedanken beim Wandern durch dieses düstere Stück Wald immer grauer und grauer wurden. Selbst die Erinnerung an schöne Momente wurde im Nachhinein eine Bedrohung. Sie gab sich selbst die Schuld, hätte es erkennen müssen. Und dann vor drei Tagen diese Einladung. Als ob sie jemals zu ihm zurückkehren würde. Und dann so.

Sie hatte lange gebraucht, sich von ihm zu lösen. Vor einem halben Jahr war der Punkt erreicht, an dem sie es nicht mehr ausgehalten hatte. Ausgedehnte Spaziergänge hatten ihr geholfen, sich darüber klar zu werden. Eines Tages war sie bei einem dieser Waldgänge vor diesem Schuppen gestanden. Spinnweben über der Tür. Die Bruchsteinwände mit Efeu überzogen. Das Vorhängeschloss seit Jahrzehnten verrostet, es war einfach abzureißen. Das ideale Versteck. Ein Ort, an dem sie ihre Ruhe finden und ihre Wunden lecken konnte.

Nachdem er mit diesem fürchterlichen Vorschlag zur Aussöhnung gekommen war und sie entdeckt hatte, was er plante, war ihr schnell klar geworden, dass sie etwas unternehmen musste.

Sebastian, ein Freund aus Kindertagen, hatte ein paar Tage darauf ein neues Vorhängeschloss an der Schuppentür angebracht. Stabil. Ausbruchsicher. Der Schuppen hatte keine Fenster. Zwar hatte Anna ihm gesagt, dass es nur darum ginge, dass ihr niemand diesen Platz streitig machen könne. Sie glaubte ja, die Sache allein durchziehen zu können.

Er hatte ihr kein Wort geglaubt und war erst bereit, das Schloss anzubringen, nachdem sie ihn in ihren Plan eingeweihthatte.

„Du bist doch wahnsinnig“, war seine erste, durchaus verständliche Reaktion gewesen.

„Ja, es ist eine Straftat“, hatte Anna zugegeben, „aber es muss sein. Ich muss ihn stoppen. Es geht nicht anders.“

„Anna! Nein!“

„Doch!“

Sebastian hatte zwar den Kopf geschüttel, trotzdem jedoch jedoch geantwortet: „Lass mich es durchziehen. Dich würden sie doch sofort verdächtigen. Ich mache es, während du im Amt bist.“

Nun war es soweit, die Entführung hatte problemlos geklappt. Mit einem hervorgepressten „Aaargh“ stieß Sebastian sein Opfer in die Dunkelheit des Verlieses, schlug die Tür zu und lehnte sich schnaufend dagegen.

Ein, zwei Minuten später hatte er sich soweit erholt, dass er das Vorhängeschloss einhängen konnte und verschwand.

Hoffentlich geht das gut, dachte er. Anna war, wenn sie sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, unerbittlich. Und er, Sebastian, würde alles für sie tun.

*

„So Frau …“

„Astwald. Tanja Astwald, Herr Kommissar.“

„Also, Frau Astwald. Was haben Sie jetzt genau gehört?“

Tanjas Hand zitterte, während sie nach der Kaffeetasse griff, bevor sie antwortete: „Anna, also Frau Spleis. Ich wollte gerade an ihrer Bürotür klopfen, da hörte ich sie schreien. Es klang, als würde sie am Telefon mit jemanden reden.“

Kommissar Joachim Schnitzel fragte sanft: „Und was genau hat Frau Spleis gesagt?“

„Sie wollte wissen, ob er entführt worden sei.“

„Und was noch?“

„Das sie dran wären, wenn man sie erwischen würde.“

Tanja war kurz davor, in Tränen auszubrechen.

Joachim reichte ihr ein Papiertaschentuch: „Nun beruhigen Sie sich. Das muss alles noch gar nichts bedeuten. Das kann ein Missverständnis sein.“

Tanja sprang auf: „Nein! Das ist kein Missverständnis. Sie hat Martin entführen lassen.“

„Warum sind Sie sich da so sicher?“

Tanja setze sich wieder, bevor sie weiterberichtete: „Ein paar Sekunden nach dem Telefongespräch hörte ich es im Büro rumoren und Anna kam herausgestürmt. Sie blaffte mich an, was sei und stürmte zum Aufzug. Ich fragte sie, wen sie habe entführen lassen.“

„Und? Sie gab Ihnen doch sicher keine Antwort, oder?“

„Doch. Die Aufzugtür schloss sich zwar, aber ich konnte noch hören, wie sie Martin Gantner sagte. Gantner, dieses Schwein.“

„Sie sind sich sicher?“

„Hundertprozentig.“

„Wer ist dieser Martin Ganter? Warum sagen Sie dieses Schwein?

 „Martin ist Annas, also Frau Spleis‘, Ex-Mann. Siehaben sich vor einem halben Jahr getrennt. Fünf Jahre lang hat sie sich von ihm drangsalieren lassen.“

„Wie drangsalieren?“

„Das weiß jeder hier! Dieser Gantner hatte nach der Hochzeit sein wahres Gesicht gezeigt. Anna hatte ja schon einen Sohn. Jonathan.Er ist letzte Woche sechs Jahre alt geworden. Vor der Hochzeit war Gantner ein liebevoller Partner und fürsorglicher Ersatzvater für Jonathan. Wir alle hier beneideten Anna um Martin. Sie war so glücklich.“

„Was geschah nach der Hochzeit?“

Tanjas Augen verengten sich, ihre Stimme wurde härter: „Dieses Schwein begann sich wie ein Pascha aufzuführen. Er schrieb Anna alles vor. Wohin sie ging, was sie anzuziehen hatte, mit wem sie sich traf. Mindestens einmal die Woche ging er in diese Villa – Villa…“

„Villa 66? Zu den Frauen?“

„Ja. Aber das war nicht einmal das Schlimmste.“

„Nicht? Was war dann das Schlimmste?“, wollte Joachim wissen.

„Er schlug Jonathan.“

„Aber Frau Spleis schaffte es, sich von diesem Gantner zu trennen?“

 „Ja. Doch sie schwor ihm Rache. Es war hier im Amt.Er kam eines Tages angekrochen, bat um Verzeihung. Die ganze Schleimpalette. Die Sache eskalierte und Anna drohte ihm an, sie würde sich an ihm noch rächen und sollte er sich Jonathan auch nur nähern, wäre er fällig.“

„Sie klingen, als wäre da noch etwas?“

Tanja druckste ein bisschen: „Ja. Also. Ich weiß nicht.“

„Bitte.“

„Vor drei Tagen hörte ich, wie Anna einer Kollegin sagte, dass sie Gantner in der Nähe der Kinderkrippe gesehen habe. Sie war ziemlich wütend und meinte, er solle es nicht wagen, sich an Jonathan ranzumachen. Er muss es trotzdem irgendwie geschafft haben, sich an Jonathan heranzukommen. Anna erzählte nämlich, dass Gantner Jonathan und sie zum Weihnachtsessen eigeladen habe. Dass er für sie kochen würde und tolle Geschenke für Jonathan hätte.“

*

Die Streifenbeamten, die Joachim zur Wohnung von Gantner geschickt hatte, klingelten lustlos an der Wohnungstür.

„So ein Schmarrn“, regte sich Reinhard auf, „so kommen wir nie von den Überstunden runter.“

In der Wohnung regte sich nichts. Frankie klopfte mit der Faust gegen die Tür und rief: „Herr Gantner! Die Polizei. Machen Sie auf.“

Nichts rührte sich. Außer in der Nachbarwohnung. Eine Frau, so um die 70 Jahre alt, lugte in den dämmrigen Flur.

„Wen suchen Sie denn?“, wollte sie wissen.

Frankie lächelte sie an: „Guten Tag. Wir suchen Herrn Gantner. Wissen Sie, ob er hier ist?“

„Neinnein. Der Gantner ist nicht da.“

„Ist er auf der Arbeit?“

„Jaja. Natürlich. Er ist um sieben Uhr heute Morgen aus dem Haus.“

„Wissen Sie, wo er arbeitet?“

„Neinnein. Der spricht doch mit niemanden hier im Haus. Und seit die liebe Frau Spleis nicht mehr hier wohnt, ist er nur noch schlecht gelaunt.“

Frankie hakte nach: „Sie sind sich also sicher, um sieben Uhr heute Morgen, Frau – wie war nochmal ihr Name?“

„Hirthie. Martha Hirthie“, antwortete die Frau.

Reinhard maulte leise: „So ein Schmarrn, den wir hier machen.“

Die dritte Wohnungstür auf diesem Geschoss öffnete sich. Eine junge Frau kam in den Flur. Sie schloss ihre Tür ab und sagte: „Da können Sie sicher sein. Die Martha weiß alles hier. Niemand hier kann ungesehen rein oder raus gehen. Gell, Martha, du bist ein bisschen die Blockwartin hier.“ Sie lächelte dabei und das Wort Blockwartin betonte sie fast zärtlich.

Martha antwortete: „Eine muss ja hier auf euch aufpassen.“

Frankie fasste zusammen: „Herr Gantner ist also heute Vormittag um sieben Uhr zu Arbeit gefahren und seither nicht zurückgekommen.“

Martha nickte: „Jaja. Genau.“

Wenn Reinhard ungeduldig wurde, sprach er lauter und er klang genervt: „Und wooo arbeitet dieser Gantner?“

Frau Hirthie mokierte sich: „Sie müssen mich nicht anschreien! Ich höre sehr gut! Der Gantner arbeitet bei dieser Kräuterfabrik.“

Frankie zog sein Handy aus der Tasche und wählte Joachims Nummer: „Frankie hier. Gantner ist angeblich auf der Arbeit.“ – „Ach komm schon. Schick doch Daniel und Alexandra. Wir haben eigentlich schon Feierabend.“ – „Ja. Ich habe es kapiert. Danke!“

Reinhard brummte: „War ja klar. Wir dürfen jetzt da raus fahren, richtig? Ich bin fast begeistert.“

*

Nachdem Joachim aufgelegt hatte, wandte er sich wieder Tanja zu: „Frau Astwald. Wo kann ich Frau Spleis finden?“

„Sie müsste eigentlich in paar Minuten wieder zurück sein.“

„Wie? Sie sagten doch, Frau Spleis wäre weggegangen?“

„Ja. Mittagspause. Sie holt ihren Sohn bei ihren Eltern ab und bringt ihn zu ihren Schwiegereltern. Als alleinerziehende Mutter ist man ja nur am Rennen. Heutzutage ist es so…“

„Gut“, unterbrach sie Joachim, „dann warte ich hier mit Ihnen, wenn das Ihnen recht ist.“

„Wenn Ihnen sonst nichts Besseres einfällt.“

„Doch.“ Er griff zum Funkgerät und sagte: „Jutta, du wartest unten in der Vermittlung. Jörg wartet draußen, falls sie doch was mitbekommt und abhauen will. Lasst euch nicht sehen und gebt mir Bescheid, wenn diese Anna Spleis kommt. Nicht ansprechen.“

Anna parkte ihr Auto, sah auf die Uhr: „Scheiße! 10 Minuten, die mir wieder fehlen. So kann man Überstunden auch verblödeln.“

Doch bevor sie ausstieg, rief sie Sebastian an: „Alles klar?“

„Ja.“

„Eingesperrt und abgeschlossen?“

„Ja.“

„Keine Chance zu entkommen? Dich hat auch niemand dabei gesehen?“

„Anna! Bitte. Ja. Nein. Es hat mich niemand gesehen. Und hier hinaus verirren sich nur Verrückte.“

„Ich bin nicht verrückt.“

„Da bin ich mir nicht so sicher. Alles nur wegen ein …“

Anna hatte mitten im Satz aufgelegt.

„Hi Michael“, grüßte Anna kurz darauf den Kollegen im Glaskäfig der Vermittlung und eilte weiter.

„Hi Anna“, antwortete Michael kopfschüttelnd. Sonst redete sie immer zwei, drei Worte mit ihm.

Zu Jutta, die im Nebenraum verborgen stand, sagte er: „Das ist sie. Sie nimmt immer den Aufzug.“

Jutta drückte die Sprechtaste am Funkgerät: „Joachim. Sie kommt jetzt mit dem Aufzug hoch.“

*

„Oh Mann! Dieser Scheißaufzug!“, fauchte Anna.

Kaum, dass er es bis fast zum dritten Geschoss geschafft hatte, war er stehengeblieben. Sie drückte die Notruftaste und hoffte, dass Wolfgang an sein Handy ging.

„Sie werden verbunden.“

Anna warf ihre Handtasche auf den Boden der Kabine:„Ich wusste es. Wozu wird das Handy des Hausmeisters angerufen, wenn der nicht rangeht?“

„Was piept da?“, fragte Jutta.

Michael lauschte, dann hörte er ebenfalls das leise Piepen: „Der Aufzug vielleicht?“

Jutta stürmte zum Aufzug. Ein Blick auf die Anzeige bestätigte Michaels Vermutung.

Sie nahm ihr Funkgerät hoch: „Joachim. Der Aufzug steckt zwischen dem zweiten und dritten Stockwerk fest.“

Joachim verließ sofort Tanjas Büro und befahl über das Funkgerät: „Jutta, du kommst zu mir in das dritte Geschoss. Jörg, du geht’s ins zweite.“

Im Treppenhaus nahm Joachim Jutta zur Seite und flüsterte: „Du redest mit ihr. Versuch freundlich zu sein und herauszubekommen, wo dieser Martin Gantner ist.“

Joachims Handy brummte, er verzog sich in den nächsten Gang und hob ab: „Ja, Reinhard?“ – „Okay. Er ist also heute nicht zur Arbeit erschienen, hat dort angerufen und sich kurzfristig einen Tag Urlaub genommen.“ – „Versucht herauszufinden, ob er Verwandte hat. Gebt Alexandra und Daniel Bescheid, die sollen bei denen nachfragen.“

Er ging zu Jutta an den Aufzug und flüsterte ihr ins Ohr: „Der Gantner ist weder zu Hause noch auf der Arbeit.“

„Hallo. Ist da jemand im Aufzug?“, rief Jutta.

Anna antwortete sofort: „Ja. Wo ist Wolfgang?“

“Wer?“

Anna versuchte, nicht gereizt zu klingen: „Der Hausmeister. Gehen Sie bitte zur Vermittlung und sagen Sie dort Bescheid. Der Hausmeister kann den Aufzug öffnen.“

Jutta log: „Der Hausmeister ist schon auf dem Weg. Sie sind Frau?“

„Spleis. Anna Spleis. Und Sie?“

„Die Polizei.“

„Oh Scheiße.“

„Bitte?“

„Sie sind wegen mir hier?“

Tanja stand hinter ihnen auf der Treppe. Joachim bat sie, weiterzugehen. Unwillig trabte sie nach unten. Vielleicht wusste Michael ja schon mehr. Außerdem würde sie dort alles mitbekommen, was passiert.

Joachim übernahm das Gespräch mit Anna: „Ja, Frau Spleis. Ich bin Kommissar Schnitzel. Wir sind wegen Ihnen hier. Sie wissen, worum es geht?“

„Hat Sebastian alles verraten?“

„Wer ist Sebastian?“

Anna atmete auf: „Gut. Ich wusste, ich kann mich auf ihn verlassen.“

„Frau Spleis. Sie wissen, um was es geht?“

„… ich denke.“

„Gut. Dann sagen Sie uns, wo sich Herr Gantner befindet.“

 Annas Stimme klang erstaunt: „Woher soll ich daswissen?“

Jutta grinste: „Die ist echt gut.“

Joachim rollte mit den Augen, dann sagte er zur Aufzugstür: „Frau Spleis. Bitte. Es hat keinen Sinn mehr. Wir wissen Bescheid. Wo ist Martin Gantner?“

„Ich weiß nicht, wo Martin ist.“

Jörg kam die Treppen hoch: „Joachim. Gerade ..“

„Jetzt nicht!“, unterbrach ihn Joachim und holte Luft, um energischer zu werden.

Jutta legte ihm die Hand auf den Unterarm, schüttelte den Kopf und übernahm wieder das Reden mit Anna: „Anna. Ich darf Sie doch Anna nennen? Ich bin Jutta. Nun sagen Sie es uns schon. Wo befindet sich Herr Gantner und wer ist Sebastian?“

„Woher soll ich wissen, wo Martin ist? Auf der Arbeit wird er sein. Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihm. Sebastian ist einfach nur ein Freund. Er kann nichts dafür. Er hat mir nur geholfen.“

„Herr Gantner ist weder zu Hause noch auf der Arbeit. Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen?“

„Ich sagte doch, ich habe keinen Kontakt zu ihm.“

„Anna! Wir wissen, Sie hatten Kontakt zu ihm. Wann und wie?“

Anna wurde ebenfalls lauter: „Ich sagte doch schon, ich hatte keinen …“

„Ja?“, fragte Jutta sanft und zu Joachim leise: „Sie knickt ein.“

Annas Stimme klang dumpfer: „Vor drei Tagen. Er lud mich über Jonathan zu einem Weihnachtsessen ein. Er hätte schon alles bei diesem Biometzger bestellt.“

„Und weiter?“

Joachim wimmelte erneut Jörg ab, der einmal mehr versuchte, ihm etwas zu sagen: „Jetzt nicht, Jörg.“

„Nichts weiter. Ich habe mich bei dem Metzger erkundigt.“

Wolfgang, der Hausmeister kam in diesem Moment dazu und fragte kauend: „Steckengeblieben?“

Jörg antwortete: „Ja. Können Sie ihn öffnen?“

 „Ich gehe runter in den Keller, lasse ihn ab unddann kann ich ihn im Erdgeschoss öffnen.“

Jutta fragte derweil bei Anna nach: „Und was haben sie dort erfahren?“

„Martin hat für uns eine Gans bestellt.“

„Und deshalb haben sie ihn entführt?“, fragte Jutta ungläubig.

Anna schrie erschrocken auf.

„Was ist?“

„Der Aufzug bewegt sich“, rief Anna. Dabei wurde ihre Stimme leiser, schien sich zu entfernen.

Joachim rannte die Treppen hinunter, rief dabei: „Jutta, du bleibst hier. Jörg, du gehst mit mir.“

Im Erdgeschoss trafen sie auf den Hausmeister, der den Dreikant schon in die Öffnung für die Notöffnung der Aufzugtür steckte.

Zu zweit schoben Wolfgang und Jörg die Aufzugtür mit den Händen auf. Joachim hatte sich an die Tür, die vom Treppenhaus zum Ausgang führte, platziert, falls Anna versuchen würde zu fliehen.

Anna machte jedoch keine Anstalten, zu entkommen, blieb im Aufzug stehen und blickte zu Boden. Das schlechte Gewissen in Person gestand sie: „Ich musste es tun. Verstehen Sie doch.“

Jutta packte sie am Oberarm: „Wir klären das in Ruhe in meinem Büro, Frau Spleis. Aber sagen Sie uns sofort, wo Herr Gantner jetzt ist.“

Jörg platzte der Kragen. Er schrie fast: „Hört mir jetzt endlich jemand zu?“

Aller Augen waren auf ihn gerichtet. Selbst Joachim sagte nichts, sondern zog nur die Augenbraue hoch.

 Jörg konnte endlich seine Nachricht loswerden:„Martin Gantner wurde gefunden.“

„Wo?“, fragte Joachim.

„Wie geht es ihm?“, wollte Jutta wissen.

„Soweit gut. Alexandra und Daniel haben ihn aufgegriffen. Er hat in der Villa 66 randaliert. Ist ausgerastet, als sich eine der Damen als „Anna“ vorstellte. Er sitzt bei uns in der Zelle.“

Joachim sah zu Anna: „Sie haben Martin Gantner nicht entführt?“

Anna riss sich entrüstet aus Juttas Griff: „Nein. Was denken Sie von mir? Ich entführe doch keine Menschen, nur weil ich Veganerin bin und..“

Tanja rief dazwischen: „Aber Anna! Du hast doch vorhin gesagt, du hättest Martin Gantner entführt.“

„Was habe ich gesagt? Niemals!“

„Doch! Als du wütend weggerannt bist. Am Aufzug. Oben. Ich hatte dich doch gefragt, wen du entführt hast.“

Anna schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn und blaffte: „Oh – mein – Gott! Tanja! Ich habe gesagt Martingans. MARTINGANS. Gantner, der Vollidiot war der Meinung, er könne mich und Jonathan mit einem Weihnachtsbraten überraschen. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass die Gans noch lebt, hat Sebastian sie für mich vom Metzger entführt. Kurz bevor der sie schlachten wollte.“

Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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