Warst du eine/einer der Glücklichen?

Beitragsbild "Tageswahnsinn"
Kannst du immer durchschlafen und läuft bei dir immer alles fair ab?
29. Oktober 2018

Warst du eine/einer der Glücklichen?

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Das Wochenjournal der 44. Kalenderwoche

Montag

BigBoss ist gnädig und schenkt mir einen ruhigen Montag. Am frühen Abend eine Infoveranstaltung eines Bauherren, der in unmittelbarer Nachbarschaft von uns 11 Grundstückseignern etwas Größeres bauen will. Der Beginn ist für mich in der Art, dass die beste Ehefrau von allen danach meinte, dass ich ziemlich „auf Krawall“ aus gewesen wäre.

Ich beherrschte mich jedoch. Aber ehrlich. Mich interessiert keinen Deut, welch tolle Anlage das werden soll und wie gut das Konzept ist. Mich interessiert, welchen Einfluss es auf mein und unser Leben haben wird.

Irgendwie kommen wir dann doch zu den interessanten Punkten, ohne dass sich Architekt und ich duellieren. Das lag jedoch vermutlich nur daran, dass wir beide unbewaffnet waren.

Ich gehe meine Aufzeichnungen und meine Gedanken in einer ruhigen Minute durch und werde sie dann zu Papier und Brief bringen. Mal sehen, wie das Ganze weitergeht.

Es bleibt spannend. Angehört hat sich vieles ganz toll. Aber wie heißt es so schön:

„Die Worte hör‘ ich wohl, allein ….“


Dienstag

Morgen bekomme ich in Büro 3 ein neues Fenster. Also alles verstauen und Platz machen für Handwerker und Schmutz. Zum Glück bekomme ich Asyl bei einer Kollegin, die mir schon 2012 in einem harten Jahr allerdings, und nicht nur für einen Tag, zur Seite stand.

Dass allerdings die beste aller Ehefrauen für diese Kollegin extra Kekse bäckt – das sieht schon a bisserl nach „Sorry, dass du ihn aushalten musst“ aus. 😉

Manchmal hat der BigBoss ein Einsehen – er lässt mich fertig essen, bevor er mich auf die Straße pfeift. Ein umgestürzter Lkw auf einer vielbefahrenen Bundesstraße. Da geht dir auf der Anfahrt so ziemlich alles durch den Kopf und du bereitest dich mental auf den worst case vor.

Aber auch hier hatte der BigBoss eine Armadda von Schutzengeln auf die Piste gejagt. Nicht nur, dass dem Fahrer durch den Unfall so fast nichts passiert ist. Er war nicht in den Gegenverkehr geraten und die Fahrzeuge dahinter konnten rechtzeitig stoppen.

Warst du auch eine oder einer der Glücklichen? Das hätte um einiges Schlimmer ausgehen können. Ein vollbepackter Lkw, der über eine vielbefahrene Straße, Auto an Auto, würfelt…. Merci BigBoss.

So schnell wie es nur ging, versuchen wir den Verkehr wieder zum Laufen zu bringen und in Kooperation mit der Polizei wird halbseitig abwechselnd vorbei geleitet. Trotzdem kommt es einige Zeit später zu einer Vollsperrung. Der Kranwagen braucht halt die komplette Breite der zweispurigen Straße.

Endlich sitze ich wieder am Schreibtisch. Ein Telefonat und ausfüllen einer Referenten- und Vortragsabfrage für eine Keynote im Jahr 2020.  Leider schaffe ich die nicht vollständig und zudem wollen wir noch was einkaufen. Doch die Hüfte vibriert und die Unhöflichkeit der Disponenten unterbricht mitten im Satz das Gespräch zwischen meiner Mitarbeiterin und mir.

Zum Glück nur ein BMA-Alarm wegen eines defekten Melders. In dem Objekt hatten wir schon rauchende Colts Haarföhns, brennende Lüftermotoren und solche Sachen. Nach einer guten halben Stunde bin ich wieder in der Schreibstube und wir entscheiden, gleich einkaufen zu fahren. Danach stelle ich eine Referentenunterlage fertig. Der Vorteil nicht an feste Arbeitszeiten gebunden zu sein. Allerdings sind die Schreibstubenstunden auch Stunden, in denen andere Büroarbeiter schon lange der Freizeit frönen. Was aber kein Problem ist, da ich ja eh seit Jahren nicht mehr arbeite – ich mache, was mir Spaß macht. Ein Privileg, für das ich sehr dankbar bin 🙂


Mittwoch

Ich ziehe also ein. Bei der Kollegin. Sie lacht und ich hoffe, es bleibt so. Das Bestechungsgeschenk nimmt sie schon mal an. Ein gutes Zeichen. Da ich nur die Hälfte der Zeit im Büro bin, kommt es nicht zu Spannungen. Wäre es vermutlich auch so nicht gekommen, jedoch sind wir beide leichte Selbstgesprächführer. Das führt zumindest zu der Anmerkung der Kollegin: „Wenn du mich meinst, musst du lauter reden.“ 😀

Wir überstehen es beide sehr gut – zumindest aus meiner Sicht.

Zu Hause lasse ich mir den Montagabend und meine Notizen zu der Veranstaltung durch den Kopf gehen. Letztlich war es leider sehr vage. Absichtserklärungen des Bauherren, Rückzug auf Technische Vorgaben des Planers, von konkreten Aussagen Lichtjahre entfernt. Ich formuliere also meinen Brief an die Behörde, so will es der Bauherr. Mal sehen, wie es weitergeht. Die Fragen sind nicht weniger geworden, sondern mehr.

Trainingszeit. Also Testtraining. Fazit: Linda du bist eine Sadistin. 🙂

Sie hat das Steuerpult in den Händen und fragt, wie es mir geht. Ich antworte: „Alles gut, ich spüre es nur leicht.“

Die Reaktion bekomme ich sofort und reagiere mit „Aua!“

Linda: „So ist es jetzt richtig.“

Wenn du nach zwei Minuten das Gefühl hast, du hast zwei Stunden gebuckelt – dann ist die Dame zufrieden.

Ich verlasse das Studio mit Oberschenkeln, die sich überlegen, ob sie streiken sollen, oder den oberen Teil doch noch die Treppe runtertragen sollen. Die Kaffeetasse später – irgendjemand hat das spezifische Gewicht von Porzellan, Wasser oder Kaffee massiv erhöht – ach was, von allem!

Lampenaustausch in der Schreibstube. K2 beginnt von sich aus, den neuen Aktenschrank aufzubauen. Merci. Danke. 🙂 Zwar wollte ich das erst später machen, aber nachdem sie schon anfängt, halte ich sie natürlich nicht auf und mache den Handlanger. Läuft!



Donnerstag

Erstaunlicherweise spüre ich zwar die beanspruchten Körperteile, jedoch nicht unangenehm. Meine Befürchtung, mich heute beim Aufstehen wie ein 95jähriger zu fühlen, sind nicht eingetreten. Da ich mich ja laut unzähligen Studien in den Wechseljahren des Mannes befinde, außergewöhnlich. Die Bedeutung Wechseljahes des Mannes kennst du sicher? – An manchen Tagen fühlst du dich wie 25, an anderen wir 80. Es kann täglich wechseln.

Nachdem es gestern spät geworden war mit dem Aufbau des Schrankes, sieht es a bisserl chaotisch aus in der Schreibstube. Mein Schreibtisch – ich gestehe – ebenfalls. Aufräumen ist angesagt.


Freitag

Etwas knarzig beim Aufstehen spüre ich die Nachwehen von Lindas Behandlung etwas stärker. Doch Bewegung macht geschmeidig.

Und dann war da noch die Sache mit der Verantwortung. Der Unterschied zwischen Aufgaben wahrnehmen, bei Aufgaben unterstützen und die Verantwortung tragen ist scheinbar nicht allen klar.

Anstelle anzurufen und zu sagen: „Hey, kannst du mich dabei unterstützen?“ – Die Antwort wäre: „Ja.“ – wird angerufen und gefragt, wo denn stehe, dass man die Verantwortung habe.

Der Eintrag in den Tageswahnsinn ist gewiss. Verantwortung ist nicht delegierbar – oder habe ich etwas verpasst und man kann jetzt auch die Verantwortung delegieren? Dann natürlich werden Führungsjobs echt ’ne coole Kaffeetassennummer: Aufgaben delegieren, Arbeiten machen lassen, Verantwortung abschieben. Den Job will ich. Achja, soll es ja schon solche Jobs geben. Ich bitte um sachdienliche Hinweise. BitteDanke.


Samstag

  • Rechner plattmachen und auffrischen
  • Notwendige Software wieder installieren
  • Zugänge E-Mails, Cloud, externe Daten wieder herstellen
  • Daten der externen, kurz vor dem Crash stehenden NAS retten
  • Neue Externe ordern
  • Den Samstag vor der Langeweile gerettet
  • Nothing to add

By the way: Nachdem meine Oberschenkel heute der Meinung sind, mir nicht mehr ihre Existenz fühlen zu lassen, haben diesen Part die Innenseiten meiner Ellbogen übernommen. Immer schön durchstrecken, damit’s g’schmeidig bleibt.

Sonntag

Meine Neigung, sehr knapp zu arbeiten, nötigt mich dazu, in die Schreibstube zu gehen. Andererseits hätte ich auch noch Zeit bis fast zum Ende des Monats. Doch der Blick auf die kommenden beiden Wochen zeigt mir, dass es trotzdem eng werden könnte. Und da ist da noch die zwei Monate alte Zusage, Anfang November zu liefern. Bis zum Nachmittag ist es geschafft. Die Krimigeschichte ist geschrieben. Jetzt muss sie nur noch gefallen.

Ab morgen geht es wieder mal vor Publikum. Weniger Wahnsinn auf der Straße (hoffe ich), dafür vielleicht das eine oder andere wahnsinnige Erlebnis, denn Abendtermine stehen ja trotzdem an.



Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.


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… hey, ich danke dir herzlich fürs Lesen des Tageswahnsinns. Ich freue mich wahnsinning, wenn du hier unten die Buttons nutzt, um auch deine Freunde auf den Tageswahnsinn aufmerksam zu machen. Vielen Dank dafür. 😊

Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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