Gehörst du zu den Überholern um jeden Preis oder eher zu den Bahnhofrumstehern?

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Gehörst du zu den Überholern um jeden Preis oder eher zu den Bahnhofrumstehern?

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Das Wochenjournal der 45. und 46. Kalenderwoche

Kalenderwoche 45

Erstaunlicherweise eine Woche ohne allzuviel Wahnsinn. Das mag daran gelegen haben, dass mein Kontakt zu Menschen im Wesentlichen bei den SeminarteilnehmerInnen lag. Abgesehen davon, dass ein Wahnsinniger sich meinen hochherrschaftlichen Zorn zugezogen hat.

Lkw, Pkw 1, Pkw 2, ich. Bundesstraße mit wenig Möglichkeiten zu überholen. Jetzt ist eine. Pkw 1 Blinker, vor. Pkw 2 Blinker, vor. Ich setz Blinker, ziehe rüber – und schaue gleichzeitig noch in Außenspiegel. Gerade noch nach rechts zurück. Du Arschgesicht mit den strohblonden Haaren, die aussehen, als hättest du eine Perücke auf. Sollte es dich mal zerbröseln, dann nimmst du hoffentlich niemanden mit und ich nenne das Darwins Auslese. Woher ich deine Haarfarbe kenne? Kurz darauf standest du an einer Ampel neben mir. Hat sich also voll gelohnt deine Aktion.

Die abendlichen Veranstaltungen beschränkten sich auf ein Führungstreffen, indem ich es vorzog, still zuzuören. Manches spricht für sich selbst Ich bin gespannt. Absichtserklärungen sind in meinem Alter nicht mehr berauschend, genausowenig wie Euphorie, die doch meist in Frustration endet, außer man akzeptiert einfach Tatsachen.

In so einer Vortragswoche bleibt in der Schreibstube viel liegen. Mit Enthusiamus, Einfühlung und vollster Konzentration den ganzen Tag Vorträge zu halten, da bist du abends einfach platt. Sich einzubilden, danach wäre noch 150% Leistung möglich, ist bar jeder Realität. Entweder leierst du nur dein Programm durch und bist am Abend fit oder du respektierst deine Audienz und du bist hundemüde. Ersteres kam für mich noch nie in Frage. Um 15.00 Uhr noch die gleiche Aufmerksamkeit wie um 09.00 Uhr zu bekommen, ist ein Geschenk, das verdient sein will.

Samstag vormittag bin ich eingeteilt für Aufsicht Atemschutzstrecke. Das Glück ist mit den … Da relativ wenig Anmeldungen für diesen Tag vorliegen, sind wir um 11 Uhr schon wieder in der Heimat. So kann ich den Nachmittag gemütlich mit ein paar Notwendigkeiten angehen.

Montag

Der Ehrlichkeit ist es geschuldet: Ich mag es nicht, um 05.46 Uhr schon im Zug zu sitzen. Der einzige Trost: Schon eine Stunde später kann ich mich wieder auf das vegetative Nervensystem zurückziehen. Die Kollegin steigt zu und ich begebe mich vertrauensvoll in ihre Aufsicht. Da ihr Gatte den Vornamen mit mir teilt, ist sie dieses Verhalten gewohnt und sie kann prima damit umgehen.

Die Fahrt allerdings war – nix für schwache Nerven. Bei zwei Mal Umsteigen ist das Risiko, einen Anschlusszug zu verpassen, natürlich relativ groß.

Wir stranden in Halle. Kaffee und Muffin im Bahnhofs-Café. Was willst du auch sonst eineinhalb Stunden lang machen.

Endlich kommen wir im Hotel an. Nach 7 Stunden Odyssee. Geplant waren 4,5 Stunden. Dort bleibt nur Zeit, die Koffer auf die Zimmer zu bringen und schon müssen wir los, um rechtzeitig zum Seminarbeginn in der Akademie einzutreffen.

Da wir kein Mittagessen hatten, hängen die Mägen am Abend auf dem Boden. Ein Italiener rettet uns das Leben. Allerdings zieht sich der Weg dorthin ein bisschen.

Zurück im Hotel liege ich um 21 Uhr im Bett. Wer hat nochmal gesagt, dass Zug fahren entspannend wäre?

Dienstag

Zumindest beim Frühstück macht jedes Hotel bei mir Gewinn. Ich bin der Typ Kaffee + Croissant.

Seminar, Mittagessen in der Akademie (da kann man echt nicht motzen. Kompliment), Seminar. Zurück im Hotel, das Abendessen besteht aus einer Banane, treffen wir uns wieder in der Akademie für eine Stadtführung. Mal abgesehen davon, dass es zu regnen beginnt (Schirm ist dabei!) und arschkalt wird, denn irgendwann zieht die Feuchtigkeit hoch, war die Führung lohnend. Ursprünglich planten wir, da die Führung in der Stadt endet, dort noch einen Absacker zu nehmen. Doch die Vernunft siegt. Es würde nur später am Abend unangenehm werden, wieder aus der warmen Kneipe für eine halbe Stunde wieder in die Nässe zu müssen. Wir setzen uns also in der Hotelpaar hin.


Mittwoch

Letzter Seminartag. Da unser Zug erst um ca. 14.30 Uhr geht, haben wir genug Zeit zum Mittagessen und schlendern danach gemütlich zum Bahnhof und drücken uns dort im Bahnhofsbuchladen rum.

Die Rückfahrt klappt planmäßig. Gegen 19.00 Uhr treffe ich am Heimatbahnhof ein. Kurz nach Hause, um sofort wieder los zu fahren. Um 19.20 Uhr treffe ich im Feuerwehrhaus zur Mannschaftsbesprechung ein. Die Punkte sind schnell abgearbeitet und endlich kann ich um 21.30 Uhr die Füße hochlegen.




Donnerstag

Ein eher ruhiger Tag, langsam angehen lassen. Gespräch mit einer Kundin und Anpassung des Vortrags an Kundenwünsche. Am Nachmittag Besuch bei unserer Sadistin, die mich abstraft, weil ich angeberisch sage, alles kein Problem, ist richtig angenehm – logisch, dass sie mich zum Aaargh bringt.

Am Abend eine Stadtratsitzung. Der erste Tagesordnungspunkt. Die Dame bekommt 20 Minuten eingeräumt, nach drei Minuten ist mir klar, wie das enden wird. Sie hat wohl noch nie etwas vom Elevator-Pitch gehört und das ZDF kennt sie scheinbar auch nicht.

Doch, du kennst sicher ZDF – Zahlen. Daten. Fakten. Das ist es, was Entscheider hören wollen. Gegen Ende fiel der Selbstmorddolchstoß – die Kostenfrage wurde nicht beantwortet.

Der Punkt, weshalb ich in dieser Sitzung bin, wird als drittes Thema behandelt. Ich rechne damit, dass mir dazu die eine oder andere Frage gestellt wird. Und so kommt es auch. Meine Antworten umfassen gerade mal vier oder fünf Sätze. Die konzentrierte Essenz aus Antworten, die in aller Ausführlichkeit wohl auch 20 Minuten dauern würden. Nach gefühlt drei Minuten ist die Abstimmung vorbei und ich kann endlich zum Abendessen gehen.


Freitag

Gestern habe ich noch einen Arzttermin für eine Impfung ausgemacht. Damit beginnt der Tag und mit dem dreckig-freudigen Grinsen des Arztes meines Vertrauens auf mein Aua. Der Muskel noch in den Nachwehen des gestrigen Trainings reagiert not amused auf den Einstich.

Heute ist Vorlesetag. Die Bücher zur Auswahl habe ich mir gestern geholt. Ich entscheide mich für „Abenteuer in Olympia“. Zu Beginn Frage ich die Kinder, die es sich schon auf der Drehleiter bequem machen, wer denn heimlich unter der Bettdecke mit Taschenlampe Buch lese. Zu meiner Freude gehen fast alle Hände hoch.



Samstag

Wieder ein Bahnhoftag. Die Strecke nach Stuttgart macht nur ein Regionalzug. Hat seine Vorteile, dauert aber zweieinhalb Stunden. Plus dreißig Minuten von der Heimatbase macht 3 Stunden einfache Fahrt.

Es soll ja Leute geben, die nutzen Zugfahrten zum Arbeiten. Für mich ist das nichts. Für dich? Subjektiv sind es für mich unproduktive Stunden. Da die Fahrt schon um 6 Uhr begonnen hat, nicke ich immer wieder weg.

Am Abend erreichen wir auf die letzte Minute unseren Zug zurück. Im Zug ein junger Mann, der telefoniert. Nicht weiter schlimm. Allerdings isst er dabei. Heraus kommt ein Geschmatze, dass einfach nur dazu führt, dass ich mich frage, wie man in so jungen Jahren schon seine Erziehung vergessen kann. Ich befürchte, wenn es in diesem Tempo weitergeht, weiß er in spätestens fünf Jahren nicht einmal mehr seinen Namen, ohne in den Ausweis zu schauen.

Sonntag

Meiner Nase ist das an Bahnsteigen herumstehen diese Woche ziemlich die Nase hochgegangen. Auskurieren also, um morgen wieder fit zu sein.


Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.


… hey, ich danke dir herzlich fürs Lesen des Tageswahnsinns. Ich freue mich wahnsinning, wenn du hier unten die Buttons nutzt, um auch deine Freunde auf den Tageswahnsinn aufmerksam zu machen. Vielen Dank dafür. 😊

Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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