Wählen oder nicht wählen? Eine Frage, die vielfältig ist.

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Wählen oder nicht wählen? Eine Frage, die vielfältig ist.

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Das Wochenjournal der 41. Kalenderwoche

Montag

Es ist ja wirklich toll, dass ihr den Notruf wählt, wenn es brennt. Aber irgendwie ist das, was heute passiert ist, wohl auch eine Folge dieser „irgendjemand anders wird es schon machen Mentalität“, die sich breit und breiter macht:

Da brennt a bisserl der Müll in einem Abfallbehälter aus Metall an einer Bushaltestelle. Toll, wenn dann gleich zum Handy gegriffen und die 112 gewählt wird. (Mal abgesehen davon, dass nicht bekannt ist, ob dies während des steuerns eines Fahrzeugs geschehen ist.) Einfacher wäre es freilich gewesen, einfach mal rauszufahren auf die Bushaltestelle. Eine Wasserflasche nehmen oder einen Anwohner nach einem Glas Wasser zu fregen oder was weiß ich. Sich jedenfalls mal a bisserl mehr als nur ums Anrufen kümmern. Wenn man dann nichts hat oder findet oder man sieht, das ist doch was Größeres, dann ist ja der Notruf in Ordnung.

Bis ich eintraf, musste ich den Brandort suchen. Der Gruppenführer meines Löschgruppenfahrzeugs – der Vorteil der höheren Sitzposition – fand ihn anhand der feuchten Stelle auf dem Asphalt. Eine Anwohnerin hatte den Brand bereits gelöscht. Wallung für nix. Es ist dieses gewisse abschätzen können zwischen „Hey, das haben wir gleich selbst erledigt“ und „Oh shit, da brauchen wir wohl doch die Feuerwehr“, das mehr und mehr verloren geht. Dieses Nutzen von Technik, um sofort aus dem Schneider zu sein. Erstmal das Problem abschieben, dann bin ich raus aus der Nummer.

Nicht falsch verstehen! Ein Notfall ist ein Notfall. Auch richtig ist, dass man lieber einmal zu früh, als einmal zu spät alarmieren soll. Aber bitte vorher erst mal richtig gucken und mal zehn Sekunden überlegen, ob das Problem nicht so klein ist, dass man es mit eigenen Mitteln lösen kann.

Ein weiteres Indiz für die grassierende Krankheit „Ich kann mir nicht mehr selbst helfen“ und deren Variation „Warum ich? Dafür sind doch die anderen da.“

Mal schauen, ob sich da noch was ändern lässt. Weil irgendwie ist es schon peinlich, wenn Erwachsene unfähig sind, die kleinsten Probleme selbst zu lösen, sondern nur noch nach Hilfe rufen. Oder etwa doch nicht? Hier nochmal zum Nachlesen der Artikel im Fränkischen Tag. Und hier die Beschreibung zu meinem Vortrag „Überleben 4.0 – Wird Darwin gewinnen?“ (Vielleicht ändere ich den Titel noch in „Überleben 4.0 – Aussterben wegen Hilflosigkeit inbegriffen.“)


Dienstag

Am Abend die monatliche Sitzung der Kreisbrandinspektoren und -meister. Terminabstimmungen und und und. Trotz straffem Abarbeiten wird es 23.00 Uhr, bis wir uns auf den Heimweg machen. Kurz darauf die Alarmierung. Diesmal hat es der Anrufer richtig gemacht. Am Nachbarhaus würde es an der Fassade brennen. Das Haus eingerüstet.

Mir schießt sofort die Frage nach brennbarer Außendämmung in den Kopf und ich bitte den Disponenten, dies zu eruieren. Kurz darauf die Meldung, dass es nicht unmittelbar am Haus brennen würde, sondern „nur“ ein Wahlplakat.

Warum schreibe ich jetzt auf einmal, alles richtig gemacht? Vor allem, weil die Polizisten bis zum Eintreffen meines Löschfahrzeugs das Problem schon weitgehend erledigt hatten?

Die Unterschiede zwischen den beiden Alarmierungen liegen darin:

  • Mülleimer – tagsüber, gut zu erkennen vom Pkw auf der Straße daneben.
  • Wahlplakat – nachts, schlechter zu erkennen vom Nachbarhaus
  • Mülleimer – Der Behälter aus Metall und nichts weiter aussenherum
  • Wahlplakat – Haus eingerüstet, also Baustelle, unbekannt, ob brennbare Außendämmung. Brandübergriff auf Haus wäre möglich.
  • Mülleimer – gut zu erkennen, dass nur der Müll darin brennt
  • Wahlplakat – nicht gut zu erkennen, was da überhaupt brennt

Es bleibt somit als Quintessenz: Ich sehe was und denke erstmal.

Zum brennenden Wahlplakat noch: Du Vollpfosten, der du es angezündet hast. Ich will jetzt noch nicht einmal auf die Sachbeschädigung und die Gefahren hinweisen. Mir schwebt nur die Frage im Kopf herum: „Was soll das bewirken?“ Weder meine Wahlentscheidung noch die der anderen Wählenden beeinflußt du dadurch. Wenn dir langweilig ist – es gibt genug Sinnvolles zu tun, um die Welt zum Positiven zu verändern. Brandstiftung gehört dazu nicht.


Mittwoch

Auch heute wieder. Und ehrlich – ich bete NICHT jeden Abend: „Meinen täglich Einsatz gib mir heute“ Dazu bin ich viel zu faul veranlagt. Ein typischer Auffahrunfall im Feierabendverkehr. Liebe Moped und Motorradfahrer – bitte behaltet auch ihr den Blick auf das Fahrzeug vor euch. Die Bilanz: zwei beschädigte Motorräder und zwei beschädigte Autos. Zum Glück ist nicht mehr passiert und nur die Verkehrsteilnehmer hatten durch die notwendigen Umleitungen ein paar Zeitprobleme.

Die Arbeiten an den neuen Karten zum download gehen gut voran und auch die Downloadzahlen sprechen dafür. Du kennst sie noch nicht? Kein Problem. Zu finden sind sie hier, aufgeteilt in verschiedene Kategorien. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei. Oder eine Karte, die du deinem Partner/deiner Partnerin/dein Part mal auf den Tisch legen willst.

Hier eine Beispielkarte:



Donnerstag

Den Nachmittag verbringe ich teilweise in der Einweisung – Nein – nicht Einweisung in die Klinik, sondern in den Ablauf der bevorstehenden Landtags- und Bezirkstagswahl. Obwohl, wenn man den Wahnsinn sieht, der zur Zeit in der Politik abläuft, da kommt der Gedanke an eine globale Klapse. Aber vielleicht ja nur mir.

… ein gemeldeter Dachstuhlbrand. Der Anrufer ruft leider nicht die Integrierte Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst an, sondern die Polizei. Und getreu dem alten Stille Post Spiel wirkt sich das Phänomen der verfälschten Übertragung elektronisch noch viel dramatischer aus. Die Adresse wird falsch übertragen. Hinfahren, feststellen, dass da nichts ist. Rückfragen, prüfen, korrigieren und neu anfahren. Wertvolle Minuten. Glücklicherweise war es kein Dachstuhlbrand, sondern die Rauchentwicklung, die scheinbar aus dem Dach gekommen war, ist nur die Folge von „die Sonne liegt auf dem Kamin“ gewesen. Sicherheitshalber lasse ich die beiden freundlichen Herrschaften des Hauses vom Rettungsdienst durchchecken, dann können wir alle wieder beruhigt zurück fahren.

Mein Tipp (sorry, liebe Freunde von der POL):

Brandverdacht? Wählt 112.

Die von der POL können nicht unmittelbar die Feuerwehr oder den Rettungsdienst alarmieren, sondern müssen die Daten übertragen. Da sind Fehler niemals ausgeschlossen. Ich erinnere mich, dass ich einmal meinen Standort aus dem Wald an die Leitstelle übertragen wollte. Durch einen dadurch aufgedeckten Fehler griffen der Disponent und ich dann auf einen anderen Weg zurück – denn laut Einsatzsoftware stand ich an einem Haus, ca. 8 km vom Einsatzort entfernt – meinem Heimatstall.

Natürlich gilt das Ganze auch für polizeiliche Notfälle, nur andersherum: Dann wählt die 110. Denn auch die ILS müsste die Info erst an die Polizei übermitteln.

Die Ursache des Problems? Ich verstehe auch nicht, warum, aber die Führung der Polizei wollte keine echten Integrierten Leitstellen. Das wäre ideal: Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst in EINER Leitstelle.

Auch wenn nicht alles toll ist, was aus Amerika kommt. Warum glaubt ihr wohl, gibt es in den Vereinigten Staaten nur eine Notrufnummer? Ach ich vergaß – wir leben ja in Deutschland mit der heiligen Kuh Datenschutz. Die wird überall soooo hoch gehalten. Naja, fast überall. Außer es geht um euer Konsumverhalten oder die Daten helfen den Industriebereichen, die gute Lobbyarbeit leisten.


Freitag

Naja, wenn man bei Wartungsarbeiten, bei denen Dampf austritt, vergisst, die Brandmeldeanlage auszuschalten – dann bekommt man halt Besuch. Nur – wir sind so unhöfliche Besucher, die kein Geschenk mitbringen.  Trotzdem immer wieder schön, wenn man freundlich begrüßt wird und nicht lang herum geeiert wird. „Hey, den Fehler hab ich gemacht.“ Erfreuliche Worte, kurze Kontrolle, Anlage zurück stellen und wieder zurück fahren. Habe das in der Vergangenheit auch schon anders erlebt. Da wurde der Frust auf den eigenen Fehler auf uns abgeladen. „Ich hab doch angerufen! Warum kommen Sie trotzdem?“ Die lapidare Antwort darauf: „Weil wir müssen. Anrufen und sagen, da brennt es nicht, kann jeder. Fachpersonal muß die Lage überprüfen.“


Samstag

Eigentlich hätte ich ja zu hause a bisserl was zu tun. Jedoch steht im Nachbarbereich eine Abschlußprüfung der Modularen Truppausbildung an. Schriftliche Prüfung und anschließend die praktische Abnahme. Ich bin hin und hergerissen. Einerseits geben die TeilnehmerInnen ihr Bestens, andererseits … Aber nunja, irgendwie ist das was nicht sooo toll läuft eher die Schuld der Kommandanten der Prüflinge aus verschiedenen Feuerwehren. Am Ende klappt es dann doch und wir können die Mädels und Jungs in das echte Einsatzleben entlassen. Schwierige Zeiten, in denen man versucht, das Beste herauszuholen bei immer weniger Zeit, die dem Einzelnen bleibt.

Sonntag

Und schon wieder wählen. Diesmal jedoch geht es um Landtag und Bezirkstag. Um kurz nach 7.00 Uhr stehe ich das erste Mal auf der Matte. Wahlraum vorbereiten. Um 8 Uhr bin ich wieder zu Hause, da ich der Nachmittagsschicht angehöre. Nach einem späten und guten Frühstück, beschließe ich, bis 12 Uhr in Kontakt mit meinem Sofa zu treten. Der Probealarm um 12.00 Uhr wird mich rechtzeitig für Schichtbeginn wecken.

Und tatsächlich piept es. Selbst im halb aufwachen kommt mir irgendetwas spanisch vor und ich werfe einen Blick auf die Uhr: 2 Minuten vor 12 Uhr. Und schon kommt die Durchsage und der digitale Testempfänger vibriert zärtlich meinen Hüftknochen. Die Sache an sich ist schnell erledigt. Die Zugtoilette schon auf und der junge Mann relativ wohlauf. Kaum, dass ich ihn an den Rettungsdienst übergeben habe, mach ich mich vom Acker bzw. Gleis.

Mit nur fünf Minuten Verspätung erscheine ich im Wahllokal. Natürlich vorbereitet auf einen evtl. langweiligen Nachmittag. Erfreulicherweise machen mir jedoch die Bürger einen Strich durch die Rechnung. Wahnsinn. Ständig Betrieb und mehr als mehrmals gibt es einen Wartestau vor den Wählkabinen.

18 Uhr, die Arbeit des Auszählnes beginnt.

Irgendwo zwischen halb zehn Uhr und zehn Uhr nachts sind wir fertig und beschließen unsere knurrenden Mägen mit einem Döner zu beruhigen.



Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.


Hol dir die 10 Chancen zum Überleben 4.0


… hey, ich danke dir herzlich fürs Lesen des Tageswahnsinns. Ich freue mich wahnsinning, wenn du hier unten die Buttons nutzt, um auch deine Freunde auf den Tageswahnsinn aufmerksam zu machen. Vielen Dank dafür. 😊

Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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