Neues aus Bullerpuups

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Neues aus Bullerpuups

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Das Wochenjournal der 42. Kalenderwoche

Montag

Erfreulicherweise geht auch nach dem Wahltag die Sonne wieder auf und der Wahnsinn kann erneut beginnen. 🙂

Bürochaos und versuchen aus allem möglichen noch das Beste herauszuholen. Ein paar interessante, nette und informative Gespräche. Und ein Text, der mich dann doch kurz zum Nachdenken bringt. Man kann ihn neutral lesen, man kann aber auch etwas hineininterpretieren, was nicht stimmt. Ich hasse so etwas.



Dienstag

Ich beginne einen Fachtext zu den Brandgefahren bei Lithium-Ionen-Zellen zu schreiben. Die Recherche erstaunt mich trotz meiner ständigen Beobachtung des Brandmarktes etwas: Gefühlt fackelt jeden Tag irgendwo eine Garage oder ein Haus ab, weil beim Laden von Lithium-Zellen etwas schief geht.

Ist ja (fast) kein Wunder. Diese Lithium-Zellen sind ja fast in jedem elektrischen Gerät verbaut. Die Anzahl der verkauften E-Bikes, Hoverboards usw. explodiert buchstäblich. Klar, je mehr von diesen Zellen im Umlauf sind, umso mehr Schadensfälle. Als nur drei Kraftfahrzeuge in ganz Deutschland zugelassen waren, konnte es auch keine 6000 Verkehrstote im Jahr geben.

Hier noch zum Nachlesen:

10 Tipps, damit deine Bude nicht wegen einer Lithium-Batterie abfackelt


Mittwoch

Bullerpuups-Tag.

Weißt du was ein Bullerpuups ist?

A meldet ein Problem. Ein wichtiges Problem. Eines, das natürlich andere verursacht haben. Es geht um Leben und Tod – mindestens.

B, C und D vereinbaren einen Termin mit A, um sich das Problem anzusehen.

Bei dem Ortstermin stellt sich heraus, dass das Problem schon vor Jahren gelöst wurde. A hätte sich nur mal mit den technischen Einrichtungen am eigenen Arbeitsplatz beschäftigen müssen.

Somit kein Problem – jedoch, bei dem Ortstermin sehen B, C und D, dass A selbst ein anderes technisch bedingtes Problem schon längst hätte melden können und dass A selbst durch sein Verhalten ein Problem verursacht.

Ein Bullerpuups – der Puups, den jemand raus lässt, um andere anzustänkern, der jedoch zurück rollt und beim Stänkerer selbst bullert.

Barrierefrei sterben

Und dann war da noch mein Lieblingsthema „barrierefrei“. Manchmal bin ich kurz vorm „Lass es doch sein, sie wollen es nicht anders.“ Wenn in fünfzehn oder zwanzig Jahren reihenweise gehbehinderte Menschen nicht mehr aus ihren jetzt barrierefrei gebauten Wohnungen und Arbeitstätten in den Obergeschossen fliehen oder gerettet werden können, dann ist das bestimmt nicht mein Versagen. Doch man kann schon kirre werden, wenn man darauf hinweist, dass barrierefrei bauen in letzter Konsequenz auch zu barrierefrei retten führen muss, aber nur auf Ablehnung stößt.

Früher – da zogen Menschen, die im Alter keine Treppen mehr gehen konnten, in Erdgeschosswohnungen oder gleich in Pflegeinrichtungen.

Heute – da wollen wir das nicht mehr. Und das ist auch richtig so. Also bauen wir Wohnungen barrierefrei. Menschen kaufen oder mieten Wohnungen in Mehrfamilienhäuser gezielt danach, dass sie in diesen auch dann bleiben können, wenn sie nicht mehr so fit auf den Beinen sind. Wenn ich sage, dass wir somit auch für barrierefreie Flucht und Rettung sorgen müssen, weil wir sonst in zwanzig Jahren nicht mehr nur eine einzelne nicht-gehfähige Person aus dem Obergeschoss retten müssen, sondern vielleicht 10 oder mehr, dann bekomme ich zur Antwort: „Das Baurecht fordert dies aber nicht.“

Ja sapperlot – muss denn immer erst der Gesetzgeber etwas fordern, vor allem wenn es so offensichtlich auf der Hand liegt? Müssen denn erst in 15 Jahren Tote zu beklagen sein, bevor gejammert wird, dass man da was tun müsste? Seit wann ist die Gesetzgebung Vorreiter in irgendwas? Seit wann kann ein Gesetz mehr als ein Minimum fordern?

Jetzt haben wir es in der Hand. Jetzt werden diese Wohnungen gebaut. Mir braucht keiner in 15 Jahren kommen und sagen, das hätten sie nicht vorhersehen können. Doch, es ist vorhersehbar. Wir bauen ja genau aus diesem Grund barrierefrei, damit Menschen mit Gehbehinderungen in ihren Wohnungen bleiben können. Doch es wird sich zurückgelehnt auf das aktuelle Baurecht, das Treppen als ersten Rettungsweg und die Leitern der Feuerwehr als zweiten Rettungsweg als ausreichend ansieht. Erlaube, dass ich lache – Treppen und Leitern für Menschen, die im Nicht-Notfall auf Aufzüge angewiesen sind. Die sollen dann im Notfall die Treppen und Leitern wie junge Gemsen nutzen können. Und mich dann als zynisch bezeichnen, wenn ich darauf antworte, dass die Welt ja eh überbevölkert sei. Was ist wohl zynischer als einem gehbehinderten Menschen anzubieten, über die Treppe oder die Leiter zu fliehen?

Baut diese barrierefreien Wohnungen und Arbeitsplätze so, dass Flucht- und Rettung auch barrierefrei möglich sind. Alles andere sehe ich hart an der Grenze zum vorsätzlich geplanten zeitverzögerten Mord. Es wird billigend in Kauf genommen, dass zukünftig eine größere Anzahl an Personen, nicht nur Einzelfälle, Gefahr laufen, bei einem Gebäudebrand nicht mehr rechtzeitig fliehen zu können oder gerettet zu werden.

Heute ist der Artikel „Werden wir immer dümmer?“, nachdem er zuerst im Fränkischen Sonntag veröffentlicht worden war, auch in „Die Kitzinger“ erschienen.



Donnerstag

Vormittags eine Schulung für Brandschutzhelfer und am Nachmittag Planung Planung Planung. Ich verbringe die Zeit damit, einen Lehrgang Modulare Truppausbildung 2019 zu terminieren und zu verteilen. Beginn im Januar, Ende im Mai. Es sind halt Ehrenamtliche, da kannst du nur abends oder Samstags Ausbildungen machen. Auch etwas, was uns Sorgen macht. Immer höhere Anforderungen bei immer weniger Zeit, die Einzelne nach langen Arbeitstagen haben und aufbringen wollen. Na, schauen wir mal. Allen recht machen kannst eh nicht 🙂


Freitag

Dank einem befreundeten Planer kann ich für uns und unsere Nachbarschaft ein paar mehr gezielte Fragen für eine Projektvorstellung aufschreiben. Das ganze Ding wird uns alle auf lange Zeit berühren. Jetzt geht es darum, einen – wie es so schön heißt – verträglichen Konsens für uns alle zu finden. Wieder einmal wurde jedoch deutlich, dass so manche Abläufe zwar rechtlich zulässig und nicht zu beanstanden sind, dass das jedoch sehr wenig mit dem Zusammenleben in einer Gesellschaft zu tun hat.


Samstag

Vertragsänderungen sind das täglich Brot. Diesmal zumindest eine Änderung, die keine Nachteile bringt. Das war die letzten Jahre nicht immer so. Die veränderte Medienlandschaft und die „Alles-Gratis-aber-in Topqualität“ Einstellung, die uns die Fehler beim Aufbau der Online-Medien einbrachte, hat halt überall seine Spuren hinterlassen. Die Folgen spüren wir alle. Falschnachrichten, einseitige Berichte, hersteller- und lobbygesteuerte Informationen.

Wir alle kennen die Probleme, neutrale und sachlich richtige Informationen zu erhalten. Leider vertraut, so vermute ich, der Großteil der Menschen kostenfreien Informationen aus ungeprüften Quellen. Die Folgen sind immens, führen letztlich zu vielen der Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben. Hauptsache eine reißerische Schlagzeile. Wird hinterher die Wahrheit aufgedeckt, ist es erstens zu spät und zweitens liest da eh kaum noch einer. Kein anderer Effekt wie zu den alten Printzeiten. Die Gegendarstellung war schon immer fast verlorene Liebesmühe. Der Aufschrei groß, es bleibt immer etwas hängen und die Richtigstellung interessierte schon damals niemanden mehr. Heutzutage ist der Schaden halt viel größer, weil mit einem Medium eben nicht nur ein paar tausend Leser erreicht werden, sondern Millionen.

Doch solange wir nicht anerkennen, dass ernsthaft recherchieren, ernsthaft Informationen sammeln, alles in einen Kontext stellen und alle Seiten beleuchten, viel Zeit und Arbeit kostet, solange glauben wir denen, die uns kostenfrei etwas anbieten, das in wenigen Minuten zusammengeschustert ist. Texte, die nur darauf getrimmt sind (Stichwort SEO), hohe Klickzahlen zu erzielen, damit die Werbeinnahmen oder Provisionen passen, fehlt es meist an Hintergrund und sind oft gesteuert. Qualität ist so nicht zu erwarten. Und die paar Kröten, die auf diese Art für die Texter (Journalisten nenne ich diese Gruppe nicht) herumkommen, reichen als Nebeneinnahme vielleicht aus, um einmal im Monat in ein Restaurant gehen zu können, zum Leben jedoch nicht.

Es ist wie bei dem Handwerker, der neu in der Stadt aufmacht, aber in Sachen Kostenkalkulation gepennt hat. Der bietet seine Leistung zu unschlagbaren Preisen an, zieht alle Aufträge an sich. Die Eingesessenen gehen einer nach dem anderen Pleite. Und dann überrollen den Neuen die Betriebskosten, Steuern, und und und. Am Ende ist dann kein Profi mehr da.

Wir stehen schon an der Schwelle, wenn wir sie nicht schon überschritten haben, an der die schreierische Meldung ohne Wahrheitsgehalt ein ganzes Volk in eine bestimmte Richtung leitet. Die Folgen werden fürchterlich sein und sind es teilweise schon.

So nebenbei – wir jammern wegen Datenschutz und Werbung und darüber, dass Werbung immer genauer darauf abgestimmt ist, was wir vorher gelesen oder uns angesehen haben. Lachhaft. Mit irgendetwas musst du immer bezahlen. Umsonst ist nur der Tod und der kostet das Leben. Das war schon immer so und wird sich nie ändern.

Sonntag



Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.


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… hey, ich danke dir herzlich fürs Lesen des Tageswahnsinns. Ich freue mich wahnsinning, wenn du hier unten die Buttons nutzt, um auch deine Freunde auf den Tageswahnsinn aufmerksam zu machen. Vielen Dank dafür. 😊

Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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