Notrufende, die nicht wissen wo sie sind, die Suche nach dem richtigen Haus und zweierlei Maß bei der Rettung von von Menschen

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Notrufende, die nicht wissen wo sie sind, die Suche nach dem richtigen Haus und zweierlei Maß bei der Rettung von von Menschen

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Das Wochenjournal der 27. Kalenderwoche 2018

Montag

Nach dem vormittäglichen normalen Arbeiten, um Schritt für Schritt etwas für den Brandschutz meiner Stadt zu tun, verbringe ich den Tag endlich wieder einmal relativ ungestört am Schreibtisch.

Am frühen Abend besichtigen wir die Baustelle des Flusskraftwerks, an der am Freitag eine Übung stattfinden soll und legen die Szenarien und Aufgaben fest.

Danach geht es in ein neues Logistikzentrum. Leiter der Instandhaltung und Brandschutzbeauftragter führen uns durch das riesige Gebäude/Areal und wir betrachten alles unter dem Gesichtspunkt „Was wäre, wenn…“


Dienstag

Heute hätte ein Freund Geburtstag, der vergangenes Jahr von uns gegangen ist. Zu früh. Gegenwärtig bleibt das letzte Treffen, die letzte Umarmung, das letzte Good-bye.

Am Nachmittag eine außergewöhnliche Schulung, die gut verläuft. Es bleibt halt offen, was daraus gemacht wird. In einigen Monaten werde ich es wissen.

Den Schreibtischnachmittag versaut mir ein Flächenbrand. Eine Bitte an dich:

Achte darauf, wo du bist. Der Meldende konnte nämlich nur grob sagen, wo er sich aufhält. Wertvolle Zeit geht so verloren. Letztlich fuhren die Einsatzstelle auf Sicht an, mussten uns Wege suchen. Die Trockenheit verhalf dem Brand zu gut Nahrung und der Wind peitschte ihn schnell voran.

Dumm nur, dass der Brand auf ein Waldstück zulief. Glücklicherweise konnten wir ihn ca. 15 Meter davor stoppen.

Ein bisschen Glück gehört zu jedem Job.


Mittwoch

Ein Pressegespräch zum Thema Rauchwarnmelder. Ich berichtete dir vergangene Woche unter der Überschirft „So verhältst du dich richtig, wenn der Rauchwarnmelder beim Nachbarn piept“ über die Problematik.

Nachmittags meldet eine eine öffentliche Einrichtung Brandgeruch. Ganz schwach ist er wahrnehmbar und stellt sich in kurzer Zeit als überhitzte Kondensatoren einer uralten Lichtregelanlage dar. Abschalten lassen und gut ist. Was mich freut ist, dass meine Arbeit langsam Früchte trägt: Erkennen und richtiges Handeln der Mitarbeiterinnen dort. Wenn bei Eintreffen das Gebäude schon evakueiert ist, eine Lotsin bereit steht und man präzise Informationen bekommt, dann läuft ein Einsatz von Beginn an gut.

Am späten Abend zieht mich eine Alarmierung vom Sofa, deren Hintergrund nicht für die Öffentlichkeit ist. Ein Bestandteil der Alarmierung ist jedoch für dich, deine Familie und deine Freunde möglicherweise lebensrettend:
Ist an deinem Haus eine Hausnummer angebracht? Ist sie groß genug, um sie von der Straße aus zu sehen – auch nachts?
Was ist mit dem Namensschild? Vorhanden und gut lesbar? Insbesondere bei Mehrfamilienhäusern ist das entscheidend.
Was war passiert?
Wir verloren etwa 10 Minuten nur dadurch, dass wir das richtige Haus suchen mussten! 10 Minuten sind in manchen Situationen ein ganzes Leben.
Klingelschilder ohne Namen.

Ein kleiner Tipp für Vermieter: das Wort „unbewohnt“ hülfe verf***t viel weiter. Woher sollen wir wissen, ob auf klingeln nicht geöffnet wird, weil Bewohner nicht kann, Bewohner nicht da ist oder dort überhaupt niemand wohnt? Letztlich sind wir Fremde, die eine Wohnung suchen und nicht alle Notfälle und Brände sind schon von außen erkennbar!

Relativ neu gebaute Häuser stehen dort. Keines hatte ein Hausnummernschild. Bei einem war die Hausnummer auf einem Zettel bodennah geschrieben, aber jetzt bin ich mal böse:

Wenn der Postbote ein paar Minuten braucht, um das richtige Haus zu finden, dann bringt das seinen Zeitplan durcheinander und er ärgert sich. In unserer Branche geht es um Menschenleben. Vielleicht irgendwann um deines.

Also, ihr Vermieter und Häuslesbesitzer:

JETZT nachschauen, ob Hausnummer vorhanden ist und Klingelschilder beschriftet sind!

Wenn nicht: Dann ändert das sofort!  Niemand weiß, ob ihr nicht heute Nacht schon Hilfe braucht und glaubt mir, es ist nicht lustig, wenn ihr vielleicht noch dabei zusehen müsst, wie auf der Straße Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei von Haus zu Haus laufen wie Klingelvertreter – während ihr gleichzeitig merkt, dass es dunkel um euch wird obwohl das Licht eingeschaltet ist.


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Donnerstag

Auch heute wieder ein Pressegespräch. Du kannst dir sicher denken, worum es dabei geht.

Konzentration ist gut, aber manchmal lässt sie einen Details übersehen, die zwar nichts mit der Sache zu tun haben. Später am Nachmittag lese ich einen post, in dem der Redakteuerin zu ihrem 30jährigen gratuliert wird. Auf dem Bild zum post ist ein geschmückter Schreibtisch zu sehen. Mir war der geschmückte Schreibtisch nicht aufgefallen und ausgerechnet mit jener Redakteurin hatte ich das Gespräch. Sauber. Irgendwie schon ein bisschen peinlich, oder?


Freitag

Den Vormittag verbringe ich größtenteils mit Büroarbeit und vor allem dem Schreiben einer aus meiner Sicht wichtigen E-Mail.

Heute wird ein Artikel veröffentlicht, der dich hoffentlich interessiert: Gemeinsam gegen Gaffer

Am Abend eine Übung, die auf neues Terrain führt. Besser gesagt unter neues Terrain. Retten von Bauarbeitern von unterhalb der Flussoberfläche. Eine Chance unter extremen Bedingungen zu arbeiten, die es nur alle 15 bis 30 Jahre gibt. In den Zeiten dazwischen könntest du da niemanden retten – die Turbine des Flusskraftwerkes wird da nämlich von Wasser durchflussen.


Samstag

Ich sitze an meinem Schreibtisch und rekapituliere die Woche. Ich bin nicht dazu gekommen, den Tageswahnsinn vorzubereiten. Neben dem „es war ziemlich viel los, kann aber nicht über alles berichten“ widmete ich die vergangenen Tage dem Schreiben meines nächsten geplanten Buches. Es wird ein Sachbuch und ich möchte das Manuskript in 6 bis 8 Wochen im Rohentwurf fertig haben. Drück mir die Daumen. Denn erst, wenn ich dieses und ein weiteres Sachbuch fertig habe, höre ich BM Fogos wieder zu, um zu erfahren, ob er es schaffte … Mehr erzähle ich noch nicht 🙂


Sonntag

Ein ruhiger Sonntag, sieht man mal davon ab, dass ich dreimal das Sondersignal anschalte.

Das erste Mal um 6.42 Uhr. Irgendwas mit Wasserschaden. Der Schadensort im dritten Obergeschoss. Die Polizei hat bei Eintreffen gerade den Wasseranschluss, aus dem vermitlich die ganze Nacht das Wasser spritzte, geschlossen. Wir entfernen noch das gröbste Wasser aus der Wohnung. Was sich allerdings schon die Nacht über die Decke verteilt hat und jetzt nach unten tropft – da können wir ebensowenig machen wie mit der weggetretenen Toilette.

Eine halbe Stunde vor dem Mittagsprobealarm die nächste Fahrt. Unklare Lage nach einem Unfall. Die Feuerwehrarbeit eher unspektaktulär. Der Sturz des Motorrads beim Überholvorgang war es wohl nicht.

Abends kommt der Alarm, da habe ich mir gerade den 250 g Hamburger einverleibt. Schnell erledigt, der Hausnotruf ein Fehlalarm -zum Glück. Eine viertelStunde später sitze ich wieder im Biergarten.


Und dann war da noch dies


Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.

Hol dir die 10 Chancen zum Überleben 4.0!

 … und ein herzliches Danke fürs Teilen


 

Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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