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grobkörniger Abendhimmel mit einzelnem Stern

Der Tod der beste Freund der Menschheit ist, wenn Wertigkeit gewichtet das Leben frisst

Die Angst ist groß und übermächtig, der Hass beliebter als die Freiheit

Und die Dunkelheit des Mittelalters zieht herauf

Entfernt von all erkämpften Werten, von Freiheit und von Menschlichkeit

Ein jeder nur sein Ziel verfolgt, geprägt, gehetzt, gespornt, hinauf

Zum Wahnsinn der Unmenschlichkeit

Populär ist die Angst, gejagt wird die Wahrheit

Die Chance zum Mensch sein – sie ist vertan

Es bleibt nur die Erde befreien – in Bälde ist es getan

Vernunftbegabten Wesen den Platze bereiten

Frei von Führern und Propheten soll’n sie gleiten

Geeint im Leben, der Liebe, der Freiheit des Seins.

Gabriel legt den Federhalter sachte beiseite. Im Armlehnstuhl seines Großvaters sitzend betrachtet er das Bild in seiner Hand.

Die politischen Führer dieser Welt aufgereiht zum Gruppenbild wie schon so oft. Doch auf ihren Lippen liegt kein noch so gekünsteltes Lächeln, dafür sind ihre Augen schwarz verbunden. Am linken Blickrand, gerade noch zu sehen, die schmalen Läufe der Gewehre, aus denen sich Rauchwölkchen in den strahlend blauen Himmel kringeln.

Gabriels Gesicht zeigt keinerlei Regung. Er zögert nur kurz, dann drückt sein Zeigefinger sachte die Taste der Maus. Klick.

14.465 Atomwaffen, 448 Atomkraftwerke, hunderttausende Raketen.

Verbunden übers Internet. Das Signal jagt durch das Netz.

Dank sei dem world wide web, lächelt Gabriel in sich hinein und schließt die Augen.

Sanft schwebt das Bild zu Boden, der Feuersturm fegt durch die Stube, das grelle Gleißen bricht das Augenlicht.

8 Milliarden verspüren den Schmerz, der mit der Geschichte der Menschheit vergeht.

Anabel schreit auf. Remko schwebt zu ihr, so schnell er kann. Nur sie beide wissen, um das Leben in ihr.

Stumm im Entsetzen blicken sie zur Erde hinab, bemerken kaum, dass sich Sonja zu ihnen gesellt. Im Schlepptau Alexis, der vierte an Bord.

Im Grauen fasziniert beobachten sie das Leuchten und Blitzen. Silvester am falschen Tag ohne gute Wünsche.

Das Hell macht das Dunkel. Das Dunkel das Hell. Die Erde brennt. Nur das Meer ist so blau wie seit Anbeginn der Zeit.

Sie ahnen alleine zu sechst zu sein. Die Station ihre Heimat, der neue Versuch.

In 90 Minuten sind sie einmal herum.

An jedem Tag, solange die Zeit verrinnt.

Gescheitert ist Gabriel, das Spiel neu beginnt.

Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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