Eine Woche voller Küchengeschichten. Und wie kochst du so?

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Eine Woche voller Küchengeschichten. Und wie kochst du so?

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Das Wochenjournal der 23. Kalenderwoche 2018

Montag

Die Schulung am Abend führt an eine alte Wirkungsstätte. Schön, wenn schon lange leerstehende Wohngebäude wieder genutzt werden. Reihenhäuser, aber auch Mehrfamilienhäuser. Da kommt so manche verschüttet geglaubte Erinnerung wieder auf. Einsatztaktische Vorentscheidung werden festgelegt. Für die Gruppenführer ist die etwas besondere Bauweise der Reihenhäuser, die vor vielen Jahren aus einem anderen Land kamen, neu.


Dienstag

Manchmal machen sich Menschen Sorgen um andere Menschen und das ist gut so. Wenn du dann zu einer schnellen Türöffnung fährst, dann rechnest du mit allen möglichen Bildern, die du aus der Erinnerung an vergangene Einsätze kennst. Umso erfreulicher, wenn sich die Sorge als unbegründet herausstellt. Erfreulich mit bitterem Nachgeschmack, sobald man die Hintergründe erfährt, worauf sich die Sorge der Angehörigen begründete.


Mittwoch/Donnerstag

Es soll auch ruhige Tage ohne Wahnsinn geben. Das Tagesgeschäft und ein bisschen Arbeit an Texten, Verwaltungsarbeiten.


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Freitag

Am Vormittag ein Dienstgespräch, dass mir zu Erkenntnissen verhilft, die ich vor ein paar Jahren hätte haben müssen. Aber es ist okay so. Die Bewertung von so manchen Ereignissen erscheint nun unter einem anderen Licht. Das zweite Dienstgespräch verläuft erfreulicher, wird aber unterbrochen und dann geht es los

Zweimal Küche an diesem Tag. Zweimal glücklicherweise ohne gröberen Personenschaden. Zweimal so unähnlich, wie Ursachen, Maßnahmen und Folgen nur sein können. Der erste Fall am Morgen ist ein Fall, der etwas traurig macht. Die Dame ist in einem höheren Alter, lebt noch alleine in ihrer Wohnung. Ihre Tochter kümmert sich und veranlasst auch an diesem Morgen das Richtige. Nachdem die Dame im Herd Gebäckstücke aufbacken wollte, rief sie kurz darauf ihre Tochter an und sagte ihr, dass es im Herd brennen würde. Kurz darauf ging schon der Alarm raus. Keine große Sache, sie ging mit entrauchen, Kontrolle und außer Betrieb nehmen lassen des Ofens über die Bühne. Der Dame geht es gut. Schon zweimal im Leben diesen traurigen Teil des Altwerdens erlebt, sehe ich auch hier die Parallelen. Wir alle werden älter und wir alle werden uns verändern. Und einfach machen darf sich das niemand, so wie manche es sich machen und knapp fordern, dass die alten Menschen dann halt nicht mehr in ihrer Wohnung alleine leben können. Denn wo ist die Grenze, dass es nicht mehr geht? Wer möchte selbst, dass andere über einen entscheiden wo und wie man lebt? Es ist schwierig, diese Grenze zu sehen und es weder zu früh noch zu spät umzusetzen.

Am Nachmittag ein ähnlich gelagerter Fall. Dieser spielt sich jedoch in einer gewerblichen Küche ab und der Alarm läuft über die automatische Brandmeldeanlage ein. Ich kenne tolle Firmen, da fährst du auf BMA, der Laden ist geräumt, die Verantwortlichen haben Informationen eingeholt und erwarten die Feuerwehr schon, um die relevanten Informationen weiterzugeben. Das nenne ich Verantwortung auch für die MitarbeiterInnen zu übernehmen. Die gewerbliche Küche heute gehört nicht dazu.

Der Laden ist augenscheinlich nicht evakuiert, es sieht eher nach normalen Betrieb aus. Vor dem Gebäuder erzählt mir im vorbeigehen eine Dame mit zwei Hunden, die sie ausführen, irgendwas von Küche und Dampf und so. Am Feuerwehranzeigetablaeu im Foyer werden meine Riechzellen schon durch den typischen Geruch von angebranntem Fett leider nicht gelähmt. Ich hole mir die Laufkarte und mache mich auf den Weg, ich hätte auch der steigenden Geruchsintensität folgen können. Dann stehe ich vor der Küche, in der fleißig gearbeitet wird. Die Menschen schauen mich teils lächelnd, teils groß an. Auch sie erzählen mir was von Dampf. Ich vermute, meinen Satz, in dem ich feststelle, dass Dampf nicht nach Angebrannten riecht und ich, wenn dem so wäre, vermutlich nie mehr Wasser trinken würde, stößt auf wenig Erkenntnisresonanz.

Ich solle doch den Lärm ausmachen. Leute, Feuerwehr ist nicht der indianische Name für „Der, der die Lärmmaschine abschaltet.“ Ich bitte darum, die Küche zu verlassen, in der immer noch so ein Nebel steht, dass selbst ich, der hin und wieder den Vorwurf bekommt, manchmal zu tief im Objekt zu erkunden, rückwärts wieder rausgeht, weil Luft anhalten auch nur eine begrenzte Zeit lang geht. Es interessiert niemanden.

Mittlerweile ist die Mannschaft eingetroffen und mir ist es jetzt echt zu blöd. Der Einsatz hätte an diesem Punkt erledigt sein können. Wenn – ja wenn man in der Küche, nach dem Austritt des Gemisches aus Qualm und Dampf, einfach alle Türen und Fenster aufgemacht hätte, die Mitarbeiter in eine zehnminütige Pause geschickt und jemanden, der qualifizierten Aussagen machen kann, ins Foyer geschickt.

So aber. Ich weiß nicht, wie dicht der Qualm zu Beginn war. Ich weiß nicht, wieviel die in der Küche davon eingeatmet haben. Ich bin zwar nicht für den Arbeitsschutz in dem Laden verantwortlich, aber einfach gehen ohne mich zu kümmern, kann ich auch nicht. (Siehe vergangene Woche die Sache mit dem Toaster im Wohnheim).

Ich bitte also den Gruppenführer, seine Leute in die Küche zu schicken und das Personal herauszubringen. In der Wartezeit kläre ich mit dem Rettungsdienst die Sache und bitte ums durchchecken des Personals aus besagten Gründen.

Und so wurde aus einer zehnminütigen Pause, die es hätte sein können, eine halbstündige Pause mit ärztlicher Untersuchung. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal, dass man die Küche mal für 10 Minuten räumt, bis der Qualm abgezogen ist und der Feuerwehr vernünftige Informationen gibt. Die halbe Stunde hat mich in meinen Betrieb auch nur wegen nichts von der Arbeit abgehalten.


Samstag

Die Gartenarbeiten gehen nicht ganz so voran, wie geplant, was verschiedene Ursachen hat. Dafür nehmen wir uns schon am frühen Abend raus. Eine Feier ruft.


Sonntag

Sonntags a bisserl länger schlafen ist nicht verwerflich, oder? Geplant ist, so um 8 Uhr aufstehen, um nach einem gemütlichen Frühstück zum Festkommers der Feuerwehr im Nachbarort zu fahren. So der Plan. Acht Minuten nach 8 Uhr schmeißen Gott und die ILS die Pläne über den Haufen. Rauch aus einem Gebäude melden die Nachbarn. Der Bewohner öffnet nicht. Mein Fahrweg führt mich an eine Kreuzung, die ich öfters quere. Die Querstraße ist vorfahrtsberechtigt. So gut wie immer kann ich mich jedoch geschmeidig hindurchtasten. Diesmal bleibe ich jedoch mit laufendem Martinhorn stehen. Von rechts kommen Rettungswagen und dahinter eine Polizeistreife. Ebenfalls mit Martinhorn. Die Regel ist einfach: begegnen sich Fahrzeuge, die Sonderrechte in Anspruch nehmen, so gilt zwischen ihnen die normale Ordnung. Das hat für mich zudem den Vorteil, dass ich mich nur dahinter klemmen muss und mir den Weg freimachen lassen kann und das nicht selber machen muss.

Aus einem Erdgeschossfenster dringt Qualm, der mir wieder verdächtig nach einer Küchensache aussieht. Den Bewohner lasse ich von meinen Leuten rausholen. Irgendwie neben der Spur. Den Rest macht der Rettungsdienst. Die eigentliche Ursache ist schnell gefunden und das Problem behoben. Doch wer isst zum Frühstück Nudeln? Nun gut, diesen Kohlehaufen isst niemand mehr.

Zum Festkommers komme ich zu spät. Auch, weil ich mich nach dem eigentlichen Einsatz noch um eine andere Sache kümmer, die zum Glück glimpflich ausging, ich meine Leute aber nicht alleine lasse und die aus anderen und unerwarteten Gründen, dann eine etwas seltsame Wendung für einen Sonntagvormittag annimmt. Aber das ist eine andere Geschichte. Eine, die in „Überleben 4.0 – Wird Darwin siegen?“ Eingang finden wird. Ich sag nur „Menschen“.


Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.

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 … und ein herzliches Danke fürs Teilen


 

Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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