Hexes Hammer, mein dicker Hals und 30 pausenlose Stunden

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Hexes Hammer, mein dicker Hals und 30 pausenlose Stunden

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Das Wochenjournal der 18. Kalenderwoche 2018

Montag

Manchmal muss man einfach der Bad Cop sein, damit Bewegung in eine Sache kommt. Die Frage, die sich mir dabei stellt – warum immer ich? Was soll’s. Das Ergebnis zählt. Am Abend das Aufstellen des Maibaumes, ein paar Gespräche, danach Prioritäten setzen – und die liegen eindeutig bei K1, das angeschlagen im Heimathafen einläuft.

Kurz vor dem Beginn des neuen Monats, der angeblich alles neu macht, läuft ein Alarm der Kategorie „was soll der Sch***“ auf.

Der Disponent hat keine andere Wahl. Der Anruf, dass an einer bestimmten Stelle ein Kleinfeuer im Freien zu sehen sei, kann er aus der Ferne nicht beurteilen, also alrmiert er. Der Ortskundige erkennt mit der Alarmierungsdurchsage, dass die fogende Fahrt zu 99,9 % verschwendete Zeit ist. Aber Ferndiagnosen sind problematisch.

Lage auf Sicht: Kleinfeuer, Personen vor Ort.

Gemütliches Aussteigen, Funkgerät schnappen, zur Brandstelle schlendern.

Der Grund für das Feuer: „Ich hab Geburtstag.“

Der Ort des Feuers: eine dafür vorgesehene Feuerstelle in der Nähe von Wohnblocks.

Die meldende Person: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.

30 Minuten meiner 24 Stunden, die auch ich nur jeden Tag zur Verfügung habe, verplempert wegen Missgunst und Anschwärzerei seltsamer Individuen der Spezies Mensch.


Dienstag

Feiertag. … habe ich gerade geschrieben in der Hoffnung, der Tag bliebe so ruhig.

Und schon piept und vibrierte es an meiner Hüfte. Ein eingedrückter Melder ist die Ursache für den Brandmeldealarm. Warum er eingeschlagen wurde, bleibt in den unergründlichen Tiefen der menschlichen Psyche verborgen.

Eine dreiviertel Stunde (für Nicht-Franken: 45 Minuten) vor Mitternacht erledigt sich mein Schlafenswunsch. Bei Eintreffen an der Einsatzstelle sehe ich schon, dass das mit dem Schlafen wohl nichts wird. Glücklicherweise stellt sich der Anfangsverdacht „Person in Gefahr“ als unbegründet heraus. Allerdings wird es mit Schlafen die kommenden 30 Stunden nichts.


Mittwoch

Das Gebäudeobergeschoss im Vollbrand, das Feuer beginnt an das sich unmittelbar anschließende Nebenhaus auszubreiten. Die vierte Person stellt sich als zwar dort gemeldet, aber dort nicht wohnende Person heraus.

Den ersten Versuch eines Innenangriffs müssen wir abbrechen und konzentrieren uns auf Eindämmung von außen. Letztlich ist der massive Brandschaden nicht zu verhindern.

Wenige Minuten vor vier Uhr morgens komme ich für ein Frühstück zu Hause an. Da ich auf fünf Uhr eine Nachschau angeordnet habe, lohnt es sich nicht, ins Bett zu gehen.

Das die Nachschau notwendig ist, zeigt sich an einer noch kleinen Rauchsäule, die unterhalb des First gen Nachthimmel windet. Versteckte kleine Glutbiester. In der Nacht nicht zu erkennen oder von der Wärmebildkamera erfassbar.

Sieben Uhr morgens trudel ich dann endlich zu Haus ein. Duschen, umziehen, Tasse Kaffee. Um acht Uhr bin ich in Büro #3 – nur um zehn Minuten später schon auf der Piste zu sein wegen eines Aussentermins.

Süß, der Gesetzgeber, theoretisch könnte ich den verlorenen Nachtschlaf nun nachholen. Theoretisch. Praktisch habe ich noch einen weiteren Termin – und da diese Termine auch von Menschen wahrgenommen werden, die ebenfalls einen dick gefüllten Terminkalender haben, …

Gegen 13 Uhr zu Hause heißt es Post und E-Mails lesen und beantworten – allerdings erst nach der Einnahme fester Nahrung.

Jetzt, fast 30 Stunden nach meinem Erwachen gestern, möchten meine Augen sich zu Pflege ableg……

Lange allerdings ist mir die Pflege nicht gegönnt. Katze Hexe knappert an meinem Ohr herum und haucht mir ihr zärtliches Maunzen zu. Nun verstehe ich auch, warum ein Bauteil des menschlichen Gehörs „Hammer“ heißt: Hexe hämmert mir die Aufforderung aufzuwachen bis tief in die Gehirnwindungen. Kaum wieder im Hier und Jetzt, springt Hexe zur Seite, daraufhin klingelt mein Handy und der Anrufer teilt mir mit, dass er jetzt am Treffpunkt wäre. Das Display meines Mobiltelefons zeigt mir einen Termin an. Hexe, du machst mir a bisserl Angst.

Zwei Stunden später treffen wir uns zum Abdendessen in einem Restaurant. Den Aperitivo schaffen wir fast. Glücklicherweise steht unser Essen noch nicht auf dem Tisch!!!

Einer der sechs Meldeempfänger am Tisch geht auf. Führungsalarm. Dem Grinsen der mir gegenüber Sitzenden sehe ich an, dass sie nur einen einzigen schadenfreudigen Gedanken haben: „DU!“

Mein Gesicht zeigt vermutlich einen etwas längeren Gedanken: „Nein. ich will nicht. Ich habe Hunger.“

Doch Gott ist gnädig an diesem Abend und lässt mich nicht alleine leiden. Eine Sekunde später melden fünf weitere Meldeempfänger, dass wir gemeinsam noch eine Weile auf unser Essen warten müssen.

Die Meldung entspricht der Erfahrung von dreiundreißig Einsatzjahren: Das Gesetz der Serie. Die Durchsage lautet nämlich schon wieder auf einen Wohnungsbrand mit Person Gefahr.

Gott ist jedoch weiterhin gnädig: Es handelt sich lediglich um angebranntes Essen auf einem Herd. Die Küche ist zwar durch Brandrauch beschädigt, jedoch keine Brandausbreitung. Etwas mehr als dreißig Minuten später sitzen wir wieder im Restaurant und können tatsächlich in Ruhe essen.

Die Gnade hielt dann die ganze Nacht über an, jedenfalls für uns.


Donnerstag



Freitag

Guten Morgen Freitag, der du das Wochenende in so wunderbare Nähe rückst … vielleicht.

Eigentlich ist nur ein Besprechungstermin angesetzt und ich hätte die Zeit davor in Ruhe für Büroarbeiten nutzen wollen/sollen/können – aber ich darf nicht.

Da kommst du in ein Gebäude rein und kriegst fast einen Herzkasper. Die räumliche Vorbereitung für ein Laientheater ist wirklich toll gemacht, da hat sich jemand echt Mühe gegeben. Leider auch damit, durch Gegenstände, Art der Dekoration, Neugestaltung der Wege usw. das ganze, eh schon minimalistische, Fluchtwege- und Brandschutzkonzept über den Jordan zu schicken, nachzuhetzen, ihm ein Messer in den Rücken zu jagen und es dann mit einer Salve aus einem Maschinengewehr in besagtem Jordan zu versenken.

Telefonate, Telefonate, Tele .. endlich jemand, dem ich zumindest sagen kann, welche Art von Theater er unter Umständen seinem Publikum am heutigen Abend bieten wird. Ich überlege mir ein paar Ersatzmaßnahmen, ansonsten müsste ich dafür sorgen, mich auf den Mars beamen zu lassen, und zwar verbunden mit einer Zeitreise um mehrere Tage zurück.

Heute ist ja der Tag der Feuerwehrleute und Floriani, der Florianitag. Eigentlich (wie hasse ich dieses Wort, ist es doch nur eine Verbalverschönerung von „Das ist sche**e“) wäre ich ab 18 Uhr auf dem Weg zur Florianifeier. Jetzt gehe ich um 18 Uhr in besagtes Gebäude, um sicherzustellen, dass die Ersatzmaßnahmen auch durchgeführt werden. Ansonsten würde ich ja meine Aussagen zur Wichtigkeit des Schutzes von Menschen ad absurdum führen, sollte ich eine Feier den Maßnahmen zum Schutz von Bürgern den Vorzug geben.

By the way: Solltest du mal auf eine Veranstaltung gehen, auf der ich spreche, so kann ich zwar nicht garantieren, dass alles im Sinne der Flucht- und Rettung und des Brandschutzes auf 100 % steht. Aber ich komme im Regelfall so rechtzeitig an, dass ich mir das Ganze vorher anschauen und vielleicht noch ein paar Änderungen anregen kann, wenn notwendig.

Meine ZuhörerInnen sind mir des „Lebens-wert“.


Samstag / Sonntag

Ein ungewohnt ruhiges und enspanntes Wochenende.

Den Samstag verbringen wir mit der Errichtung der Kräuterterrasse. Zwar sind am Montag noch ein paar kleine Restarbeiten fällig, aber dann können die Kräuter ihr mehrgeschossiges Domizil beziehen.

Der Sonntag beginnt nach einer schnellen Tasse Kaffee mit der Beobachtung einer größeren Übung, geht in einen Flohmarkt über und danach in eine Weinbergsführung.

Erstaunlicherweise bleibt der ganze Tag wahnsinnsfrei.


 


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Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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