Weiß deine linke Hand, was die rechte tut?

Titelbild Tageswahnsinn
Nix warm, nix schön, nix privat – oh! Sonne
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Titelbild Tageswahnsinn
Beachtest du Warnzeichen oder ist es egal, ob ein Warnschild Gefahr signalisiert?
16. April 2018

Weiß deine linke Hand, was die rechte tut?

Das Wochenjournal der vierzehnten Kalenderwoche 2018

Montag

Ostermontag.

Wow. Am Beginn der neuen Woche, da will es mir das Leben aber so richtig zeigen. Und zwar in Form unserer Sonne, die hell und warm den Frühling hereinbittet. Ein ruhiger Ostermontagvormittag, bis auf…

Der Fairness wegen muss ich es betonen: Nein, ich bin nicht nachtragend!!!!

Aber!

Aber wenn der, dessen Name hier nicht genannt wird, an zwei Tagen in Folge mit den selben Spielsteinen – übrigens normalerweise MEINE Farbe und dem selben Würfel – gaaaaanz sicher ist der auch normalerweise MEIN Würfel – bei Mensch-ärgere-dich-nicht gewinnt; dann, ja dann kommen selbst in einer derartig friedlichen Seele wie der meinigen Rachegelüste auf. Ich fordere Revanche!

Den Nachmittag verbringen wir im Familienkreis, lassen den Abend auf der A3 nach Ablieferung von K1 im Außerbayerischen (dabei wollte sie nie Missionarin werden) ausklingen.


Dienstag

Ich liiiiiiiebe es. Da macht man Termine für den Spätnachmittag aus, erhält dann morgens den Anruf von der Kontaktperson für diesen Termin, dass es doch nicht klappt. Neue Absprachen, da eine dritte Person eingebunden ist, deren Terminkalender auch nicht gerade vor Leere strotzt.

Endlich alles geklärt. Neuer Termin in drei Wochen und …

ja, dann klingelt das andere Telefon und von selbigen Projekt ist die Person dran, die den ursprünglichen Termin vereinbart hatte.

Richtig! Der Termin heute bleibt bestehen. Wieder herumtelefonieren und dabei hoffen, dass die Kalender nicht bereits wieder gefüllt sind. Ich liiiiebe diese fast-biblischen Unternehmungen, in denen die linke Hand nicht weiß, was die rechte Hand tut.


 

Mittwoch

Eigentlich, eigentlich wollte ich einen relativ ruhigen Vormittag im Büro machen und endlich die liegengebliebenen Berichte schreiben, die sehr geduldig sind übrigens.

Der Mensch plant und – stell dir vor! – es kommt anders. Besprechungen, kurzfristige Ortstermine, Telefonate und irgendwie war es dann plötzlich 15.30 Uhr bis ich in die Schreibstube kam. Und wie sollte es auch anders sein – ich schaffte es auf 1,5 Stunden Textarbeiten bis der durchziehende Wind für eine Alarmierung sorgte. War zwar nichts Aufregendes und von unserer Seite auch kein Eingreifen bei den Kamerad/inn/en im Nachbarort notwendig, aber eine halbe Stunde ist schnell rum.


Donnerstag

Stellungnahmen können manchmal auf ihre eigene Art lustig sein:

A plant eine Maßnahme, die so nicht dürfbar ist, aber das Problem wäre lösbar, hätte er vor Monaten schon mit C geredet. Nun kommt es zur Ersatzmaßnahme X, der B zustimmen muss und die von C abgesegnet werden müsste und dann geht es erst richtig los:

  • B schreibt, dass er mit Maßnahme X einverstanden ist, wenn C dies so absegnet.
  • C schreibt, dass er die Maßnahme X absegnet, wenn B zustimmt.

Klassischer Zirkelschluss, der leider, der beider Einverständnis braucht und nicht hilft. A hält sich bedeckt, weil das Kind ja schon in den Brunnen gefallen ist und er weiß, dass es nicht mehr zu ändern ist.

Nun denn, am Ende telefonieren B und C miteinander und kommen zähneknirschend zum Einvernehmen.

Ich gebe nicht Preis, welcher Buchstabe ich bin. Nur so viel – A bin ich nicht. 😉

Vorbereitungen für die kommenden beiden Wochen Vorträge im weiteren Tagesverlauf. 10 Tage vor der Audienz stehen und Inhalte kommunizieren, auf Verhaltensweisen einwirken und Wissen vermitteln – dass ist Konzentration pur, geistiger Marathon. Und trotzdem freue ich mich darauf, denn es bedeutet auch 10 Tage nicht mit Projekten arbeiten, sondern 10 Tage für und mit Menschen da sein. Es bedeutet, Menschen dabei zu helfen, Menschen zu helfen und – Safety First! – dabei sich selbst nicht in unkalkulierbare Gefährdungen zu bringen. Und sich bei den kalkulierbaren nicht zu verrechnen!

In Harry Potter gibt es unverzeihliche Flüche – in dieser Branche gibt es unverzeihliche Fehler.

 

Und dann war da noch dieser Beitrag hier zur Personalnot bei den Feuerwehren am Beispiel der Feuerwehr Oberscheinfeld, die praktisch tagsüber nicht mehr ausrückefähig ist.

Beitrag zur Personalnot im Bayerischen Fernsehen

Richtig, Personalmangel bei den Freiwilligen Feuerwehren ist ein echtes Problem. Doch betrachten wir die im Beitrag genannten Vorschläge mal näher

  1. Neue Ausrüstung (Fahrzeug) um Mitglieder zu werben
  2. Als letzten Schritt – die Pflichtfeuerwehr

Meine Meinung zu diesen Vorschlägen:

Wenn es an der Ausrüstung (alleine) liegt, dass niemand der Feuerwehr beitritt, dann schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen. Wer den Grundgedanken des gemeinschaftlichen Zueinanderstehens bei Gefahr nicht verinnerlicht hat, der geht auch mit neuer Ausrüstung nicht mit der richtigen Einstellung an die Sache ran. Extrem ausgedrückt: Wenn die Sirene läuft oder der Melder mitten in der Nacht aufgeht, dann wird sie oder er nicht kommen, weil ja am nächsten Morgen die Arbeit ruft und man ja seinen Schlaf braucht.

Mit der Pflichtfeuerwehr verhält es sich ähnlich. Kann man jemanden zwingen, sein Herzblut für eine Sache zu geben? Nein, kann man nicht. Wer jedoch keine Leidenschaft für die Sache mitbringt, wird nie die Risiken eingehen, die der Versuch, Menschen zu retten, mit sich bringt. Wird nie die unzähligen Stunden des Trainings und der Ausbildung neben dem Beruf aufwenden. Wird nie einer von denen sein, auf den sich Kameradinnen und Kameraden verlassen können, wenn es eng wird. Und Ausreden sind schnell gefunden, warum man nicht kann ….

Ganz am Rande nur, in einem Halbsatz, wird das wahre Problem angesprochen.

Selbst wenn durch neue Ausrüstung wieder Menschen zur Feuerwehr finden würden, selbst wenn die Verpflichteten alles Herzblut geben würden – es würde nicht wirklich nützen:

Das Problem vieler kleiner Ortschaften liegt nämlich ganz woanders: Die Leute arbeiten auswärts. Sie sind gar nicht verfügbar. Weder freiwillig, noch durch Zwang. Tagesalarmbereitschaft heißt dieses Problem. Keiner da – keiner kann kommen.

Alarmiert werden dann Feuerwehren aus den umliegenden Ortschaften, wo auch keiner da ist. Alarmiert werden dann Feuerwehren größerer Ortschaften, bei denen noch ausreichend Einsatzkräfte im Ort wohnen – und bei denen häufen sich die Einsätze in der Folge derart, dass die Arbeitgeber dieser Einsatzkräfte irgendwann einmal die Frage stellen werden: Wer macht eigentlich bei mir die Arbeit, für die ich diese Leute bezahle? Denn die Zahl der Alarmierung steigt an. Nicht, weil wirklich mehr passiert. Aber die Ursache hierfür liegt woanders.

Unser System der Freiwilligen Feuerwehren in jeder Ortschaft ist toll, fantastisch, beruht jedoch auf dem Gemeinsinn und vor allem kommt aus alten Zeiten, in denen in jeder Ortschaft noch Landwirte, Lebensmittelläden, Wirtschaften, Schmiede, usw. und damit auch Menschen, die tagsüber verfügbar sind, lebten.

Die Feuerwehren und damit den Schutz in jeder Gemeinde aufrechtzuerhalten wird die kommenden Jahre ein hartes Geschäft werden. Ich bezweifle, dass dieses System in 15 Jahren noch funktionsfähig ist. Wahrlich, es ist kein schönes Bild, dass in Zukunft in kleineren Ortschaften die Feuerwehr vielleicht erst nach 20 oder 25 Minuten eintreffen kann. Vor allem deshalb nicht, weil ich die rapide abnehmenden Fähigkeiten der Menschen, sich selbst zu helfen, sehen muss.

Ebenso wie viele Schutzsysteme nur die Symptome kaschieren, verdecken die angedachten Maßnahmen die dahinter liegenden Probleme und Krankheiten unserer 4.0 Gesellschaft.

„Wird Darwin siegen?“ ist mehr als eine Frage. Es ist auch mein Programm.


Freitag

Irgendwie erinnert mich 2018 mittlerweile an 2012 – nur in härter. Das Jahr hat seinen Treffer weg. Es kommt alles zusammen und die meiste Zeit war heute dafür notwendig, die kommende Woche zu organisieren. An den personellen Ausfällen ändert sich momentan leider nichts, aber Gesundheit geht definitiv vor. Da ich jedoch kommende Woche mit Vorträgen verbringe und somit nicht zur freien Verfügung stehe und einige Termine anstehen, die bewältigt bzw. vorbereitet werden müssen, galt es wieder einmal zu organisieren.

Natürlich erfolgreich – dank toller Kolleginnen und Kollegen und außerdem heißt es ja bei mir:

Von einem, der auszog, das Unerwartete zu erwarten


Samstag

Geschenk fertig basteln. Melde dich zum Newsletter an und du erhältst es.

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Sonntag

Eindeutig Frühling. Die Alarmierung klingt nach viel Arbeit:

Autofahrer sah Rauch unter denn Dach hervor quellen.

Leider werden wir nicht zum Bleiben aufgefordert – Die Grillkohle war fast soweit und ein Steak geht immer. 😁

 

Am Ende dieses Journals des Tageswahnsinns ein Bild der Normalität im halb-urbanen Leben:


Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.

Hol dir die 10 Gebote zum Überleben4.0!

 


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Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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