Nix warm, nix schön, nix privat – oh! Sonne

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Nix warm, nix schön, nix privat – oh! Sonne

Titelbild Tageswahnsinn

Das Wochenjournal der dreizehnten Kalenderwoche 2018

Montag

Der gestrige Sonntag war zumindest hier bei uns ein sonniger Tag. Sonnig genug, um am Nachmittag auch mal raus zu gehen. Das nutzten meine Gäste und vor allem deren Kinder. Was braucht ein Kind mehr als einen Teich, an dem man planschen kann, Wildtiere in Form unserer Raptoren und naja, wenn die Feuerschale schon da steht und die untergehende Sonne die Wärme mitnimmt …

Der heutige Montag präsentiert sich dafür im leider schon fast gewohntem diesiegen Grau. Die Sonne unsichtbar, die Wärme irgendwo anders, irgendwie nix schön.

Doch! Halt! Da gab es etwas. Meine lieben Kolleginnen und Kollegen aus Arbeitsrevier 2 gratulierten nachträglich zum Geburtstag (ich hatte mich ja vergangene Woche aus dem Staub gemacht) und schenkten mir Wertvolles für all meine zeitgleich erlebten Alters- und Funktionsgruppen:

  • Für den Erwachsenen: ein Essensgutschein
  • Für das Gefühlt-50-Jobs-Nervenkostüm: Schokolade
  • Für den im zweiten Drittel des Lebens stehenden seriösen Herrn: einen Schal, der sich mittels Mastwurf-Handgriff elegant um den noch eleganteren Hals schlingen lässt
  • Für das Kind-im-Manne (du weißt ja: Männer werden nur 7 Jahre alt, danach nur noch das Spielzeug teurer): eine Feuerwehrmann-Spielfigur mit brennenden Baum

Letzteres hat zudem noch einen schönen Nebeneffekt: Nun bin ich in Büro 3 nicht mehr alleine 😀


Der Trend geht zum Drittbüro

Ich merke es immer wieder, dass es schwierig sein kann, zu verstehen, wer oder was ich eigentlich bin.

Jede und jeder von uns trägt ja verschiedene Rollen im Leben. Die privaten Rollen lasse ich hier außen vor, den die hast du ja genauso. Hier ein Einblick in meine beruflichen Rollen, die es dir vielleicht etwas einfacher machen, mit mir klar zu kommen:

Büro 1 – die Schreibstube

Hier habe ich meinen beruflichen Schwerpunkt

Fachliteratur, Krimiserie, Reden, alles Geschriebene und Gesprochene entsteht hier.

In der Schreibstube verbinge ich normalerweise die Nachmittage, die Samstage, manchmal auch ein paar Stunden Sonntags. Jedenfalls solange, bis der Meldeempfänger pfeift und ich Büro 2 mit Rädern wechsle. (Oder Hunger habe, aber das geht niemanden etwas an 😉 )

Büro 2 – das Kommandantenbüro/der Kommandowagen

Hier verbringe ich seit 2012 mein Feuerwehrleben.

Keine geregelten Zeiten und oft zu den Zeiten, die eigentlich Frei-Zeit heißen. Allerdings im Ehrenamt.

Büro 3 – die Kammer des Schrecklichen

In diesem Rathausbüro verbringe ich regelmäßig die Vormittage und kümmere mich um den Brandschutz in den städtischen Gebäuden meiner Heimatgemeinde

Überall bei Freunden

Meine Vorträge halte ich im Grunde überall – okay, fast überall. Pluto interessiert mich jetzt nicht mehr so, seit er zum Zwergplaneten herabgestuft wurde. Gerne dagegen bin ich fast jedes Jahr ein paar Wochen in Italien, um dort vor italienischen Feuerwehrkamerad/inn/en zu reden (und am Abend zum Aperitivo zu gehen)


Dienstag

Dir ist es bestimmt auch schon passiert, dass du auf der Straße angesprochen wirst und du reflexartig denkst: ‚Ich will jetzt aber Pause machen.‘

Das ist mir heute Mittag geschehen und dann musste ich doch lächeln. Der Mann fing nämlich nicht an, mich mit irgendetwas vollzuplappern, sondern sagte: „Ich wollte gerade zu dir. Weißt du eigentlich, dass wir heute 5jähriges Jubiläum haben?“

Ich bekundete mein Unverständnis mit einem unterfränkisch ausschweifendem: „Hä?“

Ich gebe jetzt nur den Sinn seiner Worte wieder: „Ja. Heute vor fünf Jahren hat es bei mir gebrannt und alles ist Dank euch gut ausgegangen.“

Wow, dachte ich mir später, fünf Jahre, so schnell vergeht die Zeit und Wow, dass da jemand nach fünf Jahren sein Überleben feiert ist ja schön, dabei auch an meine Jungs und Mädels denkt, die damals einen tollen Job gemacht haben wie so oft danach auch noch, das ist was Besonderes.

 


Mittwoch

Eine Führungsfunktion zu übernehmen bedeutet immer auch ein Stück weit sich über einiges im Klaren zu sein oder zu werden. So zum Beispiel, dass man innerhalb der Funktionsgruppe aber auch in der Öffentlichkeit einer Wahrnehmungseinschränkung unterliegt.

Die meisten Menschen sehen nicht die unterschiedlichen Menschen im Menschen. Richtig, es gibt immer den Privatmenschen, die Führungskraft, den Vater, die Mutter, den Sohn, die Tochter, den Partner, den Freund usw.

Bei Führungsfunktionen mit Wirkung nur nach Innen in die Gruppe, verblassen innerhalb der Gruppe alle Funktionen (Rollen) außer der Führungskraft.

Hat die Funktion zudem noch Außenwirkung, dann wird es noch extremer. Denn dann wird von außen und innen im Regelfall nur die Funktion Führungskraft gesehen.

Und das bedeutet letztlich, dass jede Äußerung, jedes Tun oder Lassen immer mit der Führungsfunktion assoziiert wird. Private Meinung, privates Leben gibt es aus Sicht der anderen Menschen dann nur noch in den eigenen vier Wänden oder im Kreise privater Freunde, die entweder nicht zur geführten Gruppe, nicht zum Wirkbereich der Funktion gehören oder über ein sehr gutes Trennungsvermögen verfügen.

Egal ob Leiter einer Feuerwehr, Vorstand eines Vereines, Sprecher einer Gruppierung, Leiter eines Amtes: Du kannst noch so oft betonen, dass das, was du gerade tust oder sagst nur deine private Meinung oder deine private Sache sei. Sobald es in irgendeiner Art Wirkung auf deine Gruppe oder die Öffentlichkeit hat – wird es im Blickwinkel der Gruppe oder Öffentlichkeit der Führungsfunktion zugeschrieben werden.

Darüber muss man sich einfach im Klaren sein, denn zu erwarten, dass alle Menschen trennen können zwischen dem privaten Menschen und der Führungskraft, ist illusorisch und entspricht nicht der Realität. Diese Einschränkung des Persönlichen ist es, die man akzeptieren, aushalten und durchführen muss.

Einfach an zwei Beispielen ausgedrückt:

Wenn du nicht der Kommandant bist und stolperst nachst um 3 Uhr mit 2 Promille zum Taxi, dann heißt es nur: „Der X hat wohl einen über den Durst getrunken.“

Bist du jedoch der Kommandant, dann heißt es: „Da schau, der Leiter der Feuerwehr hat gesoffen. Wie sieht es dann erst mit der Mannschaft aus? Können die überhaupt im Notfall helfen? Ist das immer so? Wer garantiert, dass die in der Lage sind, mir zu helfen, wenn es bei mir brennt?“

Und genauso verhält es sich mit Meinungsäußerungen:

„Das neue System ist absoluter Mist“ hat einen anderen Klang wenn es eine Nicht-Führungskraft sagt oder wenn es die Führungskraft sagt. Einmal wird es als persönliche Meinung wahrgenommen, im zweiten Fall als sachliche Feststellung eines IST-Zustandes durch die Führung. Obwohl es vielleicht in beiden Fällen nur die persönliche Meinung war.

In Zeiten, in denen Selbstverwirklichung und das Pochen auf das Recht der persönlichen freien Entfaltung und Meinungsäußerung ja so wichtig sind, scheint dieser Zusammenhang in einigen Führungsbereichen verloren zu gehen. Es gibt leider Führungskräfte, die der festen Überzeugung sind, dass „sie doch sagen können, was sie wollen, es sei ja nur ihre private Meinung“ und dabei die Wirkung ihrer Worte als Worte aus dem Mund der Führungskraft vergessen.

In dem Moment, indem du Führungskraft wirst, gibst du das Recht ab, innerhalb deiner Gruppe oder gar in der Öffentlichkeit als Privatmensch wahrgenommen zu werden.

 


Donnerstag

Vermelde keine besonderen Vorkommnisse. Auch das soll es geben.


Freitag

Kennst du das auch? Du planst lange im voraus ein Essen mit Freunden, freust dich darauf – und dann kommt doch was dazwischen. Ein Alarm, ein Stau, ein Kind, das krank wird und was so noch alles an Unerwartetem gibt?

Heute war es nicht so. Der gemeinsame Restaurantbesuch ergab sich spontan während eines Telefonsgesprächs, die Vorlaufzeit gerade mal etwas mehr als ein halbe Stunde. Und siehe da – nichts Unerwartetes behinderte das Essen, nicht einmal ein Alarm kam während des Essens dazwischen.

Die daraus zu ziehende Konsequenz: Keine Planungen mehr, alles nur noch spontan vereinbaren, das gemeine Schicksal kann scheinbar nur geplant verhindernd eingreifen.


Samstag

Da ich zur Zeit ja mehrere Leute vertrete und versuche, den Laden so einigermaßen am Laufen zu halten, muss ich freie Zeiten nutzen. So also auch heute, um in Büro Nr. 2 die Post durchzugehen und die Mails vom allgemeinen Dienststellenaccount abzurufen. Dort lag seit drei Tagen eine E-Mail herum, die mir dann etwas Mehrarbeit an diesem Samstag bescherte und in einer etwas längeren Antwort-E-Mail endete, um auch alles aufdröseln zu können. Naja, schnell ist etwas geschrieben und beantragt, was auf den ersten Blick wie eine supergute Idee aussieht. Aber nur solange, wie man nicht recherchiert und vor allem nicht die Idee in ihrer Konsequenz bis zu Ende denkt. Und schon wird aus einem gut gemeint ein suboptimal gemacht. Und irgendwie kommt in meinem Kopf der Gedanke auf: Hättet ihr mich halt vorher gefragt oder die entsprechenden Texte gelesen.


Sonntag

Ein Sonntag, so gemütlich, wie er sein sollte, bis auf …

Bis auf diesen Anruf. Die besten Sachen kommen meist sehr leise daher – die schlimmsten auch. Mein Telefon vibriert, der Anrufer ein Freund (er trägt nur eine andere Uniform und an der Stelle, an der ich den Meldeempfänger trage, einen Argumentationsverstärker). Naiv, wie ich manchmal bin, denke ich, er will mir nur frohe Ostern wünschen. Ich sag ja – naiv.

Er braucht ein bisschen Unterstützung, ich rufe zwei Kameraden an und wenigen Minuten später treffen wir uns auf der Straße. Und wieder einmal zeigt sich, dass der Feuerwehr doch noch ein bisschen mehr Respekt von so manchen Menschen entgegengebracht wird.

Auf den Ruf: „P., öffnen sie die Türe!“ tut sich nichts.

Auf den Zusatz: „die Feuerwehr ist da und öffnet die Tür ansonsten gewaltsam.“

Ich sag nur Sesam öffne dich. Lustig, nix getan, nett geplauscht …

…. wäre da nicht die Sch…sache gewesen und ich den Hundekot aus meinem Stiefelprofil bekommen musste.

Naja, man kann nicht alles haben.

Später im Familienkreis die Idee, Mensch-ärgere-dich-nicht zu spielen.

Ich bin ja bekanntermaßen ein friedliebender und großherziger Mensch. Deshalb macht es mir auch nichts aus, dass der, dessen Name hier nicht genannt werden darf, die Spielsteine MEINER Farbe nimmt. Auch der Würfel, der praktisch immer und dauernd entweder mit hohen Zahlen oder mit Zahlen, die meinen Rauswurf bedingen, aus seiner Hand rollt – der schaut genauso aus wie der Würfel, den sonst immer ich nutze.

Du kannst es dir denken – er, dessen Name hier nicht genannt wird, gewinnt auch noch!

Nun gut, es wird ein Wiederholungsspiel geben. Showdown am Ostermontag.


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Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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