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Glaubst du auch, dass hupen sinnvoll ist?

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Das Wochenjournal der 17. Kalenderwoche 2018

Montag

Den ersten Tag nach zwei Wochen wieder in Büro # 3, der Kammer des Schrecklichen, erwartet mich natürlich ein volles E-Mail-Postfach. Routinearbeiten, Terminvereinbarungen, Weitergabe zur Bearbeitung. Ganz normal also.

Am Nachmittag dann eine kleine Sache, die bei mir zwar dazu führt: 😂😂😂 und meine gesamten Befürchtungen in dieser Sache bestätigt, aber leider darf ich dazu nichts schreiben.


Dienstag

Den Dienstag verbringe ich mit verschiedenen Planungen und Vorbereitungen, um am Nachmittag meinen Teil für eine WEKA Aktualiserung zu schreiben. Kontinuitätsarbeiten also.

Es scheint eine Woche mit nur wenig Wahns….

… doch, wird es. Denn kaum habe ich die Zeile von wegen ohne Wahnsinn zu schreiben, da piepst es schon. Auffahrunfall mit mehreren Pkw. Die Stelle hatte meine Mädels und Jungs schon mal während meiner Abwesenheit. Das an sich ist ja noch keinen Wahnsinnseintrag wert. Auf der Rückfahrt allerdings entdecken wir nur mehrere hundert Meter vor unseren heimischen Gerätehaus einen weiteren Auffahrunfall. Auf einer Brücke, eine Spur pro Fahrtrichtung, eng.

Nach der Ersterkundung, die keine gröberen Probleme ergibt, folgt das Warten auf die Polizei. Feierabendverkehr, also mussten wir was machen, damit es nicht noch einen Unfall im Rückstau gibt. Einige Autos hinter der Unfallstelle höre ich es hupen. Und nochmal hupen.

So what? Ich empfinde Autofahrer, die im Stau hupen und wohl meinen, damit etwas bewirken können, mittlerweile nur noch als süß. Genauso süß wie ein zweijähriges Kind, dass sich trotzig auf den Boden wirft, um Mama dazu zu zwingen, ihm doch die Quängelware an der Kasse zu kaufen. Und Mama geht einfach weiter.

Die Dame im ersten Auto hinter der Unfallstelle fuchtelt mit den Armen, lässt die Seitenscheibe herunter und winkt mich zu sich. Der Gruppenführer meines Löschgruppenfahrzeuges ist schon dabei die Unfallstelle absichern und Posten stellen zu lassen, damit der Verkehr gefahrlos um die verunfallten Fahrzeuge herum fahren lassen zu können.

Die Dame sagt mir, dass wir doch hier den Verkehr herumleiten könnten und hinter ihr hupen sie und und und. Ich versuche ihr zu erklären, dass dies in wenigen Minuten geschehen würde (tatsächlich konnte sie schon zwei Minuten später fahren). Ich versuchte, es ihr zu erklären. Doch sie fiel mir immer wieder ins Wort. Erst als ich etwas leicht energisch zu ihr sagte, dass sie mir doch zuhören soll, wurde sie für 10 Sekunden still. Ich war echt froh, dass sie wenige Augenblicke später vorbei gewunken wurde und ich wieder mit mir war. Manchmal liebe ich die Einsamkeit des Einsatzleiters.


Mittwoch

Irgendwie bin ich etwas überfordert. Ich gebe es zu, ich tue mir schwer mit Anreden mittlerweile. Es gibt in unserer Sprache noch keine formell korrekt anzuwendende Anrede für alle Gender. Die Formulierung von Texten ist durch das dritte Geschlecht auch nicht einfacher geworden.

Vielleicht liegt es an meinem Alter, vielleicht auch nicht, jedenfalls klingen alle Versuche, immer politisch korrekt zu formulieren, hölzern oder es ist kaum lesbar, was man schreibt. Oder ich fühle mich unwohl, weil ich es als unhöflich empfinde:

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Kollegin, lieber Kollege, liebe Frau X, lieber Herr Y – das ist persönlich und ich empfinde es als freundlich.

Und jetzt das Folgende bitte nur als Beispiel meines Empfindens und nicht als diskriminierend oder inkorrekt ansehen, es geht hierbei nur um mich und mein Empfinden:

Liebe Intersexuelle – nein, das ist weiblich; Lieber Intersexuelle – nein, das ist männlich, Liebes Intersexuelle – nein, das ist irgendwie sachlich und wir sprechen doch Menschen an.

Nur den Nachnamen nennen?

„Ungerer,

vielen Dank für Ihre Nachricht vom …“

Sorry, aber wer mich einfach mit meinem Nachnamen anredet, muss schon ein guter Freund sein, damit ich das durchgehen lasse. In einem Brief empfände ich dies mindestens als unfreundlich, wenn nicht als drohend. Da schwingt ein unsichtbares Ausrufezeichen hinter dem Nachnamen mit.

„Markus,

vielen Dank für Ihre Nachricht vom …“

Damit könnte ich leben. Allerdings stellt sich da die Frage, warum dann nicht gleich auf das „Du“ überzugehen. Und die formelle Anrede „Sie“ in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Allerdings fehlt mir auch hier ein gewisser Höflichkeitsfaktor.

Und damit habe ich wohl das größte Problem. Liebe/r, Sehr geehrte/r, Mein/e Beste/r, etc. – alle diese Formen der Höflichkeit und Freundlichkeit, aber auch Respektbezeugungen, die sich schon in der Anrede manifestieren, sehe ich in Gefahr.

Aus einem freundlichen und persönlichen Briefbeginn wird möglicherweise eine emotionslose und durch Sachlichkeit auf Abstand haltende Einleitung, die ich schlicht als abwertend unhöflich empfinde. Ein fiktives Beispiel für die schriftliche Antwort an eine Person:

„Guten Tag, vielen Dank für …“ oder „Guten Tag Ungerer, vielen Dank für …“ oder „Guten Tag Markus, vielen Dank für …“

Ich entscheide mich für diese Form:

„Guten Tag, vielen Dank für … . Ich telefonierte mit der Person, die mit Franz befreundet ist und …“

Fürchterlich sachlich. Früher hätte ich geschrieben:

„Lieber Markus, lieben Dank für … . Franz, mit dessen Freund ich telefonierte, …“

„Sehr geehrte Frau Ungerer, vielen Dank für … . Frau Müller, mit deren Freundin ich telefonierte, …“

„Mein Bester, hab herzlichen Dank für … . Franz, mit dessen Spezl ich quatschte, …“

Auch hier kam die Form der Anrede lediglich aus dem mänlichen/weiblichen Vornamen und der äußeren männlichen/weiblichen Form. Die, nennen wir sie zur Vereinfachung so: „innere Form“ eines Menschen ist im alltäglichen Umgang nicht oder kaum erkennbar. Und sie geht auch letztlich niemanden etwas an, wenn es die betroffene Person nicht will.

Und für mich bleibt die Sorge einer Versachlichung, die verbunden ist mit dem gefühlten Verlust der Freundlichkeit.

Und nun übertreibe ich mal bewusst, um mein Problem der Emotion zu veranschaulichen:

„Stell dir vor, eine blonde Person im schwarzen Abendkleid und eine rothaarige Person in einem speckigen blauen Overall betreten händchenhaltend eine schmuddelige Bar.“

Welches Bild hast du im Kopf?

Und nun:

„Stell dir vor, eine blonde Frau im schwarzen Abendkleid und ein rothaariger Mann in einem speckigen blauen Overall betreten händchenhaltend eine schmuddelige Bar.“

Welches Bild hast du jetzt im Kopf?

Sprache lebt und entwickelt sich. Und sicherlich wird es irgendwann einen Begriff geben oder einer der vorgeschlagenen Begriffe wird sich durchsetzen, der parallel zu „Mann“ und „Frau“ verwendet wird, wird sich in der Sprache manifestiert haben. Offen bleibt momentan noch, wie es um die Pronomen stehen wird. Weder „der“ ist korrekt noch „die“ und bei „das“ sind wir uns wohl einig, dass dies eine Versachlichung bedeuten würde, die niemand will.

„Das Markus Ungerer“ würde ich als abwertender empfinden als ein „Der Depp Ungerer“, denn im zweiten Fall werde ich immerhin noch als Lebewesen wahrgenommen.

Doch dies alles lässt sich nicht erzwingen und ist nicht binnen weniger Monate umzusetzen. Meine Generation wird es wohl nicht mehr erleben.

Bis dahin heißt es wohl: „Auf ein Wiedersehen, Höflichkeit.“


Donnerstag

Ein Interviewtermin. Die grobe Planung in meinem Kopf sah so aus:

  • 30 – 45 Minuten Fragen beantworten.
  • 15 – 30 Minuten Fotishooting

Daraus wurde ein angenehmer und lustiger 2-Stunden-Nachmittag mit etwa einer Stunde Gespräch und anschließendem Fotoshooting plus Bewegtbildaufnahmen.

Hat riesig Spaß gemacht und auf das Ergebnis in ein paar Wochen bin ich gespannt.

Vielleicht gibt es hier auch einen Nachtrag. 😃


Freitag

Buhh. Manchmal könnte ich, gelinde gesagt, ausrasten. Probleme lösen ist normalerweise mein Job. Kompromisse eingehen und auch mal Fünfe gerade sein lassen – ja, dazu bin ich bereit. Das echte Leben ist nie geradlinig und je größer die Baustelle um so sicherer ist, dass bis zum Termin nicht alles zu 100 % fertig ist. Kein Problem, es sind immer Einzelfallentscheidungen. Aber wenn ich das Gefühl habe, hier stimmt was nicht und A sagt was anderes als B und C und gleichzeitig erkenne ich, dass mir wesentliche Informationen vorenthalten wurden, die ich dann über Umwege bekommen, dann – ja, dann werde ich unleidlich. Ich gehe viele Wege mit, aber man muss schon mit offenen Karten mit mir spielen. Ansonsten gehe ich davon aus, dass man mich verar***t, um meine Zustimmung zu erhalten und lasse die Scheuklappen runter. So wie heute Vormittag.

Nachmittags eine grausame Mitteilung von K1: Ihre Kaffeemaschine ist arbeitsunwillig! 😳 Zum Glück mitgeteilt bevor wir losfuhren. Jetzt nehmen wir halt unsere gute alte italienische CaféKanne mit. Sonst würde Samstagfrüh für meine Umwelt katastrophal.

Am Abend noch eine Dienstveranstaltung. Manchmal ist es einfach notwendig, sich Zeit zu nehmen und dann ist es aus richtig und gut. Da macht es auch nichts, wenn sich die Abfahrt verzögert und man erst spät nachts einen alten Traum verwirklchen:

Die Wohnung der Tochter besetzen, Getränkeflaschen herumstehen lassen und sich rücksichtslos ausbreiten. 20 Jahre habe ich darauf gewartet und endlich wird es wahr. 🤣


Samstag

Wie sollte es auch anders sein, wir stehen etwas knapp auf und es bleibt gerade mal Zeit für eine Tasse Kaffee, bevor wir losfahren müssen. Zum Glück ist unsere Taxifahrerin nicht wegen der Wohnzimmerverwüstung sauer auf uns – wobei, vermutlich hatte sie es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht realisiert.

Wir kommen rechtzeitig genug am Veranstaltungsort an um eine wichtige Grundprämisse für alle Tage zu erfüllen: Bis zehn Uhr müssen zwei Tassen Kaffee getrunken sei.

Die Veranstaltung selbst beobachten wir aus unserer eigenen Perspektive und vermutlich liegt unsere Erwartungshaltung auf anderen Schwerpunkten als beim Rest des Publikums. Jedenfalls erfahren wir, was wir erfahren wollen. Trotzdem entscheiden wir uns für das vorzeitige Verlassen nach Abwägung der beiden Möglichkeiten: Bis zum Ende bleiben oder die Zeit nutzen, wieder einmal mit K1 Essen zu gehen.


Sonntag

Ohhh. Aus der Küche gefährliche Töne. Eltern können so gemein sein. Während K2 den Schönheits- und Booaah-war-die-Nacht-lang Schlaf genießt, gehen die einfach auf einen Frühlingsmarkt. Das an sich ist ja kein Frevel. Aber das die Erzeuger dort auch noch essen. Buhh. 🤣

So geht eine fantastische Woche bei herrlichen Sonnenschein ihrem Ende entgegen. Beide Kinder geärgert, eine tolle Interviewzeit in einer wunderschönen Location (Schwanberg), einiges gelernt – und dann waren da noch die Freunde, die sich melden, weil sie seit ihrem von uns unterstützten Umzug die Fernbedienung für den Fernseher vermissen. Ehrlich, wir haben keine Ahnung, wo die ist, aber wir hoffen, ihr hattet tolle Abende 😀


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Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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