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Chaos nach Ausfall

Journalbuch mit Stift

Das Wochenjournal der zehnten Kalenderwoche 2018, nachdem die achte und neunte Woche

Wiedereinstieg

Buhh. Zwei Wochen hatte mich Influenza B ausgeschaltet. Am Morgen die Dienstübernahme und ein Stellvertreter, den es jetzt erwischt hat. LvD (Leiter vom Dienst) und KiD (Krank im Dienst) Schichtwechsel. In allen drei Büros erstmal sichten, was so alles aufgelaufen ist und im zweiten Schritt sortieren der Reihenfolge des Abarbeitens. Am Nachmittag dann werden wieder einmal alle Planungen über den Haufen geworfen: Es piept.

Diesmal geht es auf eine unsere Autobahnen. Trotz einer verletzten Person ging der Reifenplatzer bei hoher Geschwindigkeit erstaunlich glimpflich ab. Als erster einzutreffen ist immer heikel und der Schwerpunkt in den ersten Minuten muss beim Patienten liegen. Wenige Minuten später trifft mein erstes Fahrzeug ein und ich kann Patient übergeben und mich um den Rest kümmern.

Weil zur Zeit ständig über nicht vorhandene Rettungsgassen geschimpft wird: Man muss auch mal das Gute sagen. Diesmal hat es echt super geklappt. Der gesamte Stau eine wunderschöne Rettungsgasse. Sauberes und sicheres Durchkommen. So soll es sein. Mein Dank an die Verkehrsteilnehmer, die in diesem Stau standen 🙂

Am Abend dann Besprechung mit den Führungskräften. Schön, wenn man auch mal kontrovers diskutieren kann. Letztlich zählt ds gemeinsame Ziel und wo Menschen aufeinandertreffen, menschelt es halt auch.

Immer wieder das Gleiche

Wieder einmal ein Brandmeldealarm. Allerdings als Ursache  – nennen wir es mal Augen auf beim Arbeiten. Wer wenige Zentimeter neben einem Rauchmelder die Bohrmaschine ansetzt, ohne diesen Melder vorher abschalten zu lassen, der ist irgendwie selbst schuld, oder? Das fällt unter Bestellung mit Rechnungswunsch.

Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig danach zu einem Termin zu erscheinen. Im Laufe des Tages lichtet sich das Chaos in den Büros etwas. Und vor allem:

Neues beginnt

Eine seit Monaten geplante Sache nähert sich dem Zielpunkt. Neue Aufgaben, neue Zusammenarbeit, neue Chancen – und viel Arbeit die kommenden Wochen. Ein halbes Jahr Vorbereitung geht in die Zielgerade. Jetzt stehen noch einige Entwicklungs- und Schreibarbeiten auf dem Programm. Dann ist auch das in trockenen Tüchern und kann mich die kommenden Jahre begleiten. Ich bin ja noch jung 🙂

Meinen täglich Einsatz gib mir heute

bete ich zwar nicht – aber trotzdem scheint es sich so zu entwickeln. Noch ein BMA und eine unklare Rauchentwiclung, die sich als Kaminbrand entpuppt. Kein Schaden und relativ schnell kann die Einsatzstelle dem Kaminkehrer übergeben werden.

Mann Mann Mann

Am Abend eine ruhige Dienstversammlung und relativ früh schlafen gehen. Doch mit Durchschlafen ist es nichts. Mitternacht ist gerade vorbei, da wird der Nachtschlaf unterbrochen. Die Meldung: Ein Keller stünde schon halb unter Wasser. Aufgrund der Lage der Adresse kann es eigentich nur ein Rohrbruch sein. Ankunft und feststellen, dass ich Recht habe: die Verschraubung vor der Wasseruhr ist geplatzt. Eine schöne Fontäne spritzt in den Kellerraum. Von halb unter Wasser stehenden Keller kann allerdings nicht die Rede sein. In dem Raum ist ein Kanalablauf eingebaut und das Wasser fließt wunderbar ab. Feucht rauswischen nennt man sowas. Und wieder befinde ich mich in der seltsamen Welt zwischen Lachen und Tobsuchtsanfall. Wenn das bei mir oder einigen anderen Leuten passieren würde – wir würden einfach das Ventil zudrehen.

Da es aber nicht der Feuerwehr Aufgabe sein kann, pitschnass zu werden, wegen einer Sache, die dem Eigentümer seine Aufgabe wäre – nämlich das Ventil zuzudrehen – lasse ich auf der Straße das Hauptventil abdrehen und verständige den, der dafür zuständig ist: den Wasserversorger. Ein Job, der kein Feuerwehrjob ist, erledigt. Meine Leute, die ebenso wie alle anderen Menschen, den Tag über gearbeitet haben, wurden für nix aus dem Schlaf gerissen – von mir rede ich nicht mal, ich bin Etappenschlaf gewohnt – und ihr wisst selbst, wie schwer es oft ist, dann wieder einschlafen zu können morgens um eins, wenn du in Bewegung warst und nicht nur auf dem Nachttoilettengang.

Leute, mal ganz ehrlich: Könnt ihr eigentlich noch selbständig überleben? Oder braucht ihr für jeden Handstrich die Feuerwehr? Ist ja nicht das erste Mal, dass wegen sowas der Notruf gewählt wird. Vollversorgungsmentalität ohne Eigenverantwortung. Ist das Deutschland?

Sollten ihr es besser machen wollen: Schaut euch mal bei Tageslicht eure Versorgungsleitung an. Da sind zwei Niederschraubventile: eines vor der Wasseruhr, eines nach der Wasseruhr. Wenn das Wasser an der Wasseruhr rausspritzt, einfach das erste Ventil zudrehen und gut ist es erstmal. Das ist kein Notfall. Ihr werdet nass dabei. Na und? In eurem Haus müsst ihr dann nur in euer Bad gehen, nasse Klamotten ausziehen, abtrocknen und was frisches anziehen. Die Feuerwerhleute müssten nass wieder zurück ins Feuerwehrhaus fahren, die nassen Einsatzklamotten können erst mal nicht für Notfälle angezogen werden – ein Brandangriff in nassen Klamotten ist wie Säue brühen – und bei Freiwilligen müssen die Mädels und Jungs noch nass nach Hause fahren, um sich dann erst richtig trocken legen zu können.

Wenn das Hauptventil erstmal zugedreht ist, dann kann mich sich nachts wieder hinlegen und am nächsten Tag den Wasserversorger anrufen. Man muss sich halt nur mal drum kümmern, wer das ist und welche Notdienstnummern der hat.

Die Feuerwehr alarmieren wegen nix. Sorry, aber es ist aus Sicht „Notfall“ wirklich nix. Kein Menschenleben in Gefahr, kein Brand, kein Gasaustritt, kein Unfall. Nur Wasser. Wenn das dann noch über den Kanal einfach ablaufen kann, dann läuft auch der Keller nicht voll. Dann, aber nur dann, kann man über Notfall reden, wenn der Keller auf einen Meter oder mehr Höhe voll Wasser steht oder beispielsweise die Elektrohausversorgung schon bruzelt, aber bitte nicht, wenn der Boden feucht ist.

Und unsereins fragt sich mittlerweile, wann die erste Alarmierung kommt, weil jemand auf der Toilette sitzt und den Notruf wählt, weil das Klopapier ausgegangen ist.

 

Wie normal war deine Woche? Freue mich auf deinen Kommentar.

Hab eine schöne Woche und lass nix anbrennen!


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Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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