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Der Tod fährt mit

Autobahn

Autobahn

Es ist ja nun wirklich nicht das erste Mal, dass so etwas passiert.

Der zweite Alarm heute führte auf eine der Autobahnen hier bei uns. Verkehrsunfall, unklare Lage.

Auf der Anfahrt die Konkretisierung, dass eine Person eingeklemmt sei.

Durch eine gut gebildete Rettungsgasse (nicht immer nur schimpfen, sondern ein Danke hierfür an die Autobahnnutzer) erreiche ich den Beginn der Unfallspuren. Bis zur eigentlichen Unfallstelle muss ich jedoch noch ein Stück weit fahren und erst, als ich an einem Lkw vorbei bin, sehe ich das Ausmaß.

Ein Kleintransporter, der schwerstbeschädigt mit der Front an die Seitenschutzplanke gekracht ist. Der Fahrer entsprechend schwerstverletzt und eingeklemmt. Die Rettungsarbeiten gestalten sich aufwendig und relativ zeitintensiv.

Auch ich kenne den Grund für den Unfall nicht, aber ich weiß, dass dies NICHT das erste Mal ist, dass ein Unfall mit dieser Fahrzeugart so schwer endet.

Oft sind es Fahrzeuge von Firmen, denen ihr Geschäft es ist, Waren von A nach B zu bringen – meist mit dem Druck, termingerecht zu liefern und schnell wieder zurück für die nächste Beladung und Fahrt!

Oft werden diese Fahrzeuge von jungen Fahrern gesteuert – und ich wage zu bezweifeln, dass auch nur eine der Firmen ihren neuen Fahrern ein Fahrsicherheitstraining zur Einstellung spendiert. Man möge mich bitte eines Besseren belehren. Kommentieren Sie diesen Artikel, wenn Sie Ihre Fahrer zu Fahrsicherheitstraining schicken.

Es sind Fahrzeuge, die nicht wie Lastkraftwagen einer Geschwindigkeitsbegrenzung unterliegen. Es sind Fahrzeuge, bei denen die Trennwand zwischen Ware und Fahrerkabine oft nur aus einem Hauch von Pressspanplatten besteht. Es sind Fahrzeuge, die bei einem Unfall mit hoher Geschwindigkeit die Schutzwirkung eines Papiertaschentuchs gegen eine anfliegenden Vogel aufweisen – kann halten, muss aber nicht.

Und diese Dinger erreichen bis zu 170 km/h! Dabei beträgt bei der Variante bis 3,5 to, die noch mit dem Pkw-Führerschein gefahren werden darf, die Zuladung bis zu knapp 1.500 kg. Das sind 1,5 to Schubmasse, die bei einem Aufprall gemäß der physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Massenträgheit hinter dem Fahrer nach vorne drängen, um sich mit ihm den Fahrersitz zu teilen. Wenn da die Ladungssicherung nicht ausreichend stark ist – soweit vorhanden – wird es hinter dem Lenkrad verdammt eng.

Es ist diese Kombination aus Geschwindigkeit, Zulademasse, Zeitdruck, Unerfahrenheit und einer Schutzmasse, die es nicht gibt.

Nicht zum ersten Mal, dass solche Unfälle geschehen und nicht das erste Mal, dass sie mit schwerverletzten Menschen enden.

Wann endlich werden diese Fahrzeuge durch den Gesetzgeber/Hersteller zwangsgebremst auf eine Geschwindigkeit von zum Beispiel 120 km/h? Herr Dobrindt, wie wäre es mal mit so einem Vorstoß?

Wann endlich wird die Trennwand zwischen Laderaum und Fahrerkabine vom Werk aus und als normaler Standard so ausgelegt, dass sie dem Schub der Lademasse standhalten können?

Wann endlich werden die Fahrer bevor sie das erste Mal auf Tour gehen, zu einem Fahrsicherheitstraining mit diesen Fahrzeugen geschickt?

Und wann endlich kapieren Versender, Transporteure und Empfänger, dass „Just-In-Time“ zwar wirtschaftlich erfolgreich ist, dass aber der Preis, der dafür immer wieder gezahlt werden muss, verdammt nochmal zu hoch ist!

Wenn auf 10.000 Fahrten ein Unfall kommt, ist der materielle Verlust relativ gering und zynisch würde ich sogar fast sagen, kalkulatorisch tragbar. Aber was ist mit dem Menschenleben?

Ich weigere mich, hier auch nur den Hauch einer wirtschaftlichen Betrachtung zu akzeptieren!

Denn es muss nicht hingenommen werden, dass solche schweren Unfälle geschehen:

  • bauartbedingte Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h
  • bauartbedingte Trennwände, die dem Schub von 1,5 to Ladung bei einem Unfall zumindest so viel Widerstand entgegensetzen, dass die Ladung nicht im Fahrerraum landet.
  • verpflichtende Fahrsicherheitsschulung für die Fahrer vor Jobantritt.
  • und nicht zuletzt – macht Termine und Zeitplanungen, die realistisch sind. Gönnt den Fahrern lieber mal eine längere Kaffeepause als sie zu Tode zu hetzen.

Ja, ich bin wütend und aufgebracht. Aber Rettungsdienst, Polizei und meine Leute haben heute einen jungen Mann in einem Zustand gesehen, der alles andere als sehenswert ist. Aber ich wage zu bezweifeln, dass ein Chef dieser Fahrzeugnutzerfirmen oder ein Hersteller jemals draußen auf der Bahn solche Bilder sehen musste. Hintennach die Fotografien ansehen, das entspricht in etwa der Wirkung eines Mordes in einem Kriminalfilm. Stellen Sie sich vor, Sie würden im echten Leben daneben stehen, wenn neben Ihnen ein Mensch ermordet wird.

Und wenn Sie möglicherweise der Meinung sind, dass ich übertreibe, was die Menge dieser Art Unfälle angeht, dann machen Sie einfach nur ein kleine Google-Abfrage.

Mehr als 38.000 News-Ergebniss für den Suchbegriff „Unfall Kleintransporter 2017“!

Und jetzt sind Sie dran!

Nachtrag 07.08.2017. Eben erfuhren wir, dass alle Anstrengungen leider nichts genutzt haben und der Fahrer den Unfall nicht überlebt hat. Unser Beileid den Angehörigen.
Markus Ungerer
Markus Ungerer ist Autor, Vortragsredner, Instructor und Feuerwehrler. Er hilft anderen, entspannt zu überleben, wenn es heiß wird. Noch lieber allerdings hilft er zu verhindern, dass es zu heiß abgeht in Wohnung, Büro und wo auch immer du dich aufhältst. Lass nix anbrennen! und verbinde dich mit ihm auf Twitter und Facebook.

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